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Müller bleibt beim Panzer

Der Regierende nutzt seinen Wagen weiter, ein anderes Modell wurde verworfen

  • Von Nicolas Šustr und Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Limousine des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) ist sicher – und ein Umweltmonster.
Die Limousine des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) ist sicher – und ein Umweltmonster.

Diesen Spitzenrang wäre der Regierende Bürgermeister Michael Müller sicher gern losgeworden. Mit 408 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer im Realbetrieb fährt der SPD-Politiker laut Deutscher Umwelthilfe nämlich eine der größten Dreckschleudern unter den Ministerpräsidenten in ganz Deutschland. Mit den Idealen einer Mitte-links-Regierung, die sich das Vorantreiben der Verkehrswende auf die Fahne geschrieben hat, ist das kaum vereinbar.

Der Regierende hat deshalb erwogen, den Dienstwagen zu wechseln. Bislang kutschiert der Senatschef laut einer aktuellen Aufstellung der Berliner Innenverwaltung mit einem Daimler MB S-Guard durch die Stadt. Die S-Klasse von Mercedes-Benz ist ein spezielles gepanzertes Fahrzeug mit »Sonderschutzausführung« - um die Fahreigenschaften des fast fünf Tonnen schweren Gefährts zu erhalten, benötigt der Stahlkoloss einen Zwölfzylinder-Motor mit über 500 PS. Das erhöht den Benzinverbrauch auf fast zwölf Liter pro hundert Kilometer. Der Wagen bietet laut Hersteller »einzigartige Sicherheit gegen Anschläge und Bedrohungen durch Gewaltverbrechen«. Da der Regierende Bürgermeister von Berlin als besonders gefährdet gilt, ist er verpflichtet, ein Fahrzeug dieser Sicherheitsklasse zu nutzen.

Dennoch sah sich die Senatskanzlei zuletzt nach umweltfreundlicheren Alternativen um. »Im vergangenen Jahr wurde dem Regierenden Bürgermeister ein neu konzipierter Wagen angeboten, der 2020 fertiggestellt wurde«, sagt Müllers Sprecherin Melanie Reinsch. Doch aus der Neuanschaffung wird jetzt nichts. »Technische Veränderungen haben den Regierenden Bürgermeister inzwischen aber dazu bewogen, den bisherigen Dienstwagen weiterzufahren.« Und: »Da es sich um ein Sicherheitsfahrzeug und nicht um ein Serienfahrzeug handelt, ist es nicht möglich, zeitnah einen neuen Dienstwagen zu erhalten«, so die Sprecherin. Angaben zu Hintergründen der abgeblasenen Neuanschaffung macht Melanie Reinsch indes nicht.

Bekannt ist, dass das Land Berlin, soweit möglich, auf deutsche Hersteller zurückgreift. Ministerpräsidenten anderer Bundesländer fahren häufig BMW oder Audi. Aus diesem Kreis dürfte auch Müllers Alternative kommen. Dass er einen Wagen aus dem Ausland bestellt haben könnte, ist jedenfalls unwahrscheinlich. Somit rollt der Regierende auch künftig mit seiner gepanzerten Limousine durch die Stadt. Die Kritik der Deutschen Umwelthilfe dürfte ihm damit weiter sicher sein.

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der Umwelthilfe, bestätigt das. »Wenn die deutschen Hersteller nicht willens oder in der Lage sind, entsprechende klimaschonendere Modelle zu bieten, dann muss sich Berlin eben woanders umsehen«, sagt Saar auf nd-Anfrage. »Womöglich gibt es im Ausland Hersteller, die Besseres im Angebot haben.« Für die Deutsche Umwelthilfe hängt diese Frage auch mit politischer Glaubwürdigkeit zusammen. »Berlin hat sich ziemlich ambitionierte Klimaziele gesetzt, aber das muss sich im Alltag auch widerspiegeln«, so Saar. Und hebt Senatorin Katrin Lompscher (Linke) hervor. Als sie 2007 für das Umweltressort zuständig war, stach sie mit dem Hybridauto Toyota Prius in puncto niedrige Emissionen alle anderen aus.

Damit wäre die heutige Stadtentwicklungssenatorin inzwischen keine große Ausnahme mehr. Von den 36 Senatoren und Staatssekretären verfügen laut einer aktuellen Liste der federführenden Innenverwaltung elf über Hybridautos. Neun lassen sich mit E-Autos herumkutschieren. Neben Katrin Lompscher ist die jetzige Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) mit einem Tesla Model 3 unterwegs. Der US-Autobauer zählt offenbar nicht als ausländischer Hersteller, weil er bekanntlich in Grünheide bei Berlin ein neues Werk errichtet, in dem Tausende neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Ausgerechnet Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) fährt mit einem Lexus ein Modell, das komplett in Japan gefertigt wird.

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