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Ein Leben, das Feuer gleicht

»Fante Bukowski« ist eine Comic-Satire auf den US- amerikanischen Literaturbetrieb

  • Von Sven Jachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Männliche Kotzbrocken mit gänzlich uncharismatischem Außenseiter-Profil, die im Erzählbogen keinerlei Entwicklung durchlaufen, besitzen im nordamerikanischen Comic eine recht skurrile Tradition. »Wilson«, dem Misanthropen aus Daniel Clowes’ gleichnamigem Comic, möchte man niemals im realen Leben begegnen, und die Comiczeichner Joe Matt und Chester Brown gehen in ihren autobiografischen Werken mit ihren Comic-Alter-Egos ziemlich hart ins Gericht, indem sie ungeschönt ihre Pornosüchte (Matt in »Peepshow«) beziehungsweise das Leben als Freier (Brown in »Ich bezahle für Sex«) thematisieren.

Auch der Autor und Cartoonist Noah Van Sciver gönnt sich in seiner ersten ins Deutsche übersetzten und vor kurzem hierzulande erschienenen Graphic Novel »Fante Bukowski« einige selbstkritische Auftritte: als erfolgloser Comiczeichner, der keine Peinlichkeit auslässt, um im Fahrwasser des Erfolgs seiner neuen Freundin Audrey Catron endlich zu Ruhm zu gelangen – oder wenigstens an die richtigen Leute.
Die junge Autorin landete kürzlich einen Belletristik-Bestseller und verzweifelt seitdem an den Regeln und Marketing-Gepflogenheiten des Kulturbetriebs. Deswegen und dank Van Scivers pathologischem Selbstmitleid denkt sie immer wieder sehnsüchtig an ihre kurze Schwärmerei für die titelgebende Hauptfigur Fante Bukowski ein Jahr vor ihrem großen Durchbruch zurück – was man gleichfalls als Verweis auf die selbstherrliche Männerromantik in der Outsider-Literatur verstehen muss, denn gegen Fante Bukowskis Egomanie und Literatennarzissmus ist Van Sciver sogar noch eine deutlich kleinere Hausnummer.
Die Figur »Fante Bukowski« ist eigentlich der Rechtsanwaltsgehilfe Kelly Perkins, und sein mäßiges Talent als Autor offenbart sich bereits in der Wahl dieses Pseudonyms. Mit 23 Jahren schmeißt er den Job in der Anwaltskanzlei des Vaters, weil er Autor werden will. Schon Seite 2 zeigt ihn an der Schreibmaschine beim Verfassen einer Kurzgeschichte: »Und die beiden Männer schauten sich in die Augen und wussten, ihr Leben würde von nun an einem Feuer gleichen. Einem Feuer, das brennt. Ende.« Dass solcherlei literarischer Dilettantismus mit Absagen quittiert wird, kann freilich nur den Lektoren geschuldet sein: »Lektoren mobben wie in der Schule! Trunken vor Macht!« Denn: »Meine Brillanz ist immer meine Schwäche gewesen.«
Bukowski haust fortan verwahrlost und unregelmäßig von der Mutter subventioniert in abgerockten Hotelzimmern, besäuft sich, schreibt. Das muss bei den Pseudonymlieferanten, den US-amerikanischen Schriftstellern Charles Bukowski und John Fante, schließlich ähnlich abgelaufen sein. Er schmeißt sich auf Partys an schmierige Agenten und Redakteure ran, veröffentlicht Gedichte in Literaturzeitschriften mit 20er-Auflage, steht auf Lesebühnen, vertickt ein doppelt gefaltetes DIN-A4-Blatt als überteuertes Lyrik-Fanzine und verkauft sich selbst und allen anderen dieses Treiben megalomanisch als Pionierleistung. Und wie sich Bukowski mit jedem Jahr aufgedunsener durch die subkulturellen Nischen und Sektglas-Zusammenkünfte bläht, ist ein ziemlicher Spaß, weil Van Sciver ganz egalitär sowohl den anachronistischen Underground-Chic als auch die Hochkulturbetriebseitelkeiten im Visier behält.
Noah van Sciver (Autor und Zeichner): »Fante Bukowski. Ein amerikanischer Traum«. Aus dem amerikanischen Englisch von Benjamin Mildner. Avant-Verlag, 416 S., geb., 30 €.

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