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Seepferdchen statt Cola, Pommes und Action

In sechs Schwimmbädern können 4000 Schüler*innen ihre Abzeichen aus den Schulkursen nachholen

So richtige Ferien- und Freibadstimmung will am Mittwochvormittag im Kombibad Gropiusstadt nicht aufkommen. Das liegt allerdings nicht an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die hierher zum Pressetermin eingeladen hat, sondern eher am etwas kühlen Wind und den tief hängenden Wolken über Neukölln. Vor allem liegt es aber daran, dass in diesem Sommer alles anders und im Freibad mitten in den Ferien kaum etwas los ist: Tickets müssen vorab online gebucht werden und die Corona-Abstands- und Hygienevorschriften machen wildes stundenlanges Herumtoben im Wasser unmöglich. Oder wie Annette Siering vom Vorstand der Berliner Bäder-Betriebe es ausdrückt: »Statt Cola, Pommes und Action sehen Sie einen optimierten Gesundheitsbetrieb.« In den breit abgeteilten Bahnen kraulen einzelne Schwimmer*innen hin und zurück, nicht mal eine Handvoll Kinder und Jugendliche planschen im Spaßbecken.

Anders sieht es in der zum Kombibad gehörigen Schwimmhalle aus. Hier marschieren gerade um die 30 Kinder aufgeregt am Beckenrand entlang und setzen sich zwischen bunte Hütchen, die im 1,5-Meter-Abstand aufgereiht sind, um die Füße im Wasser baumeln zu lassen. Gleich werden sie sich, ausgestattet mit Schwimmnudeln und Schwimmkissen, in das angenehm warme Wasser stürzen.

Sie gehören zu den immerhin 4000 Schulkindern, die nun, in den letzten zwei Wochen der Sommerferien, ihre Schwimmabzeichen nachholen können. Denn was den Berliner Bädern, die mit dem Sommerbetrieb ihr Hauptgeschäft machen, wirtschaftlich sehr wehtut, darf den vielen Schulkindern der Hauptstadt nicht zum schweren Nachteil gereichen, befanden unter anderem Engagierte vom Landessportbund (LBS).

»Bis zu 16 000 Grundschüler konnten in diesem Jahr bisher das Seepferdchen nicht machen«, sagt Steffen Sambil, Vorsitzender der Sportjugend, weil wegen der Corona-Pandemie sämtliche Berliner Bäder ab Mitte März zunächst geschlossen bleiben mussten. Das ist nicht so leicht aufzufangen in einer Stadt, die noch bis vor wenigen Jahren bei den Drittklässlern eine Nichtschwimmerquote von 40 Prozent aufzuweisen hatte, die erst mit der »Berliner Schwimmoffensive« von 2018 auf aktuell 16 Prozent gesunken ist. An dieser hatte Senatorin Scheeres damals maßgeblich mitgewirkt. So lobt LBS-Präsident Thomas Härtel auch die schnelle Initiative für die Sommerschwimmkurse als Ergebnis einer in diesem Punkt »sehr beweglichen Bildungsverwaltung«. 250 000 Euro hatte diese locker gemacht, um in sechs Schwimmhallen von Spandau bis Kaulsdorf Kurse anzubieten. Weitere 360 000 Euro wurden zusätzlich verhandelt, um demnächst sechs Bäder zu Schwimmzentren umzuwidmen, die vorrangig dem Schul- und Vereinsverkehr vorbehalten sein sollen.

In den ersten beiden Wochen der Sommerferien haben nun bereits fast 1500 Berliner Grundschüler*innen ein Schwimmabzeichen bekommen. Wie die Senatsverwaltung für Bildung mitteilte, machten 543 von ihnen das Seepferdchen, 735 das Schwimmabzeichen Bronze, 193 Silber und 12 sogar Gold. Für die letzte Ferienwoche gibt es der Bildungsverwaltung zufolge noch freie Plätze. In den Herbstferien soll das Angebot weitergeführt werden.

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