Von den Konsumenten bis zur EU

Für die Arbeitsbedingungen in Spanien gibt es viele Verantwortliche.

Von Ingrid Wenzl

Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Produktion in Spanien machen saisonale Produkte aus wie das Stein- und Kernobst aus Lleida, der Wein aus Rioja, Zitrusfrüchte aus Valencia oder Oliven aus Jaén. Damit ist sie fundamental auf billige Saisonarbeiter angewiesen, denn diese Kulturen benötigen hauptsächlich in der Erntezeit viele Arbeitskräfte.

Die Arbeitsbedingungen sind prekär: Einer Studie von Caritas Spanien von 2018 zufolge arbeiteten die im ganzen Land tätigen Befragten durchschnittlich 48 Stunden pro Woche. Die Hälfte gab an, keinen freien Tag in der Woche zu haben. Teilweise stellen Landwirte und Gemeinden zu wenig Unterkünfte, so dass ein Teil der Saisonarbeiter, wie in der andalusischen Erdbeeranbauregion Huelva, in illegalen Siedlungen ohne Wasser und Strom leben muss. Verrichtet wurde die Arbeit, laut Caritas, zu über 80 Prozent von Migranten aus Afrika und Lateinamerika, ein Viertel von ihnen ohne Arbeitserlaubnis. Nur fünf Prozent waren spanische Staatsbürger. Nach einer Studie der Universität Carlos III und der Stiftung PorCausa sind insgesamt etwa 20 000 Nicht-EU-Bürger ohne Papiere in der Landwirtschaft illegal beschäftigt. Dies kommt einem Teil der Landwirte durchaus gelegen.

Wie Hilde Daems von der spanischen Sektion von Caritas kritisiert, liegt die Kompetenz, die Mindestlöhne festzulegen, zudem bei den Provinzen: »Für eine Person, die an verschiedenen Orten arbeitet, ist es sehr schwierig, den Überblick zu haben, welche Rechte sie wo hat und welcher Lohn ihr dort zusteht.« In Katalonien liegen die Löhne bei rund sieben Euro die Stunde, in vielen Landesteilen deutlich darunter.

Die Gründe für die prekären Arbeitsbedingungen sind vielschichtig: Im Land sind es vor allem die großen spanischen Supermarktketten Mercadona, Eroski und Caprabo, die die Preise vorgeben. Gerade mal 35 Cent bekam man in den letzten fünf Jahren für ein Kilo Pfirsiche. Dieses Jahr ist es aufgrund gestiegener Nachfrage ein bisschen mehr. Eine Teilschuld trügen, wie Daems meint, aber auch die Konsumenten, die nicht bereit seien, höhere Preise für ihre Produkte zu zahlen.

Seit 1985 ist Spanien Mitglied der EU und damit neben dem Tourismus ausgerichtet auf den Export landwirtschaftlicher Güter zu niedrigen Preisen. Salomó Torres, Vorsitzender der Stiftung der Solidarischen Bauern, verweist außerdem auf eine Benachteiligung der Mittelmeerländer in der europäischen Subventionspolitik: Während der Getreideanbau von der EU unterstützt werde, seien die Produzenten von Obst, Gemüse, Wein und Oliven zu 90 Prozent von ihren Einnahmen abhängig. Hinzu kommen Abkommen der EU mit Drittländern in Südamerika und Nordafrika, die noch billiger produzieren und die Preise ihrerseits noch weiter drücken.

Aber auch die Gemeinden und Regierungen tragen Verantwortung für die Lage der Landarbeiter, indem sie die Betriebe zu wenig kontrollierten, sagt Daems.

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