Ausgeliefert und ausgebeutet

Ausländische Farmarbeiter in den USA sollen noch weniger verdienen als zuvor.

Von Moritz Wichmann

Sie übernehmen Schwerstarbeit, die US-Amerikaner nicht mehr erledigen wollen: ausländische Farmarbeiter. US-Präsident Donald Trump hat die Corona-Pandemie dazu benutzt, die Arbeitsmigration ins Land fast komplett auf null zu reduzieren - mit einer Ausnahme: Farmarbeiter. Republikaner-Abgeordnete aus ländlichen Wahlkreisen hatten sich dafür eingesetzt. Um sich vor möglichen Gerichtsprozessen zu schützen und wenn nötig die Verantwortung von sich schieben zu können, stellen viele US-Farmer mittlerweile ihre Erntehelfer über Subunternehmer an, die Anwerbung und Beschaffung der entsprechenden Visa übernehmen. 257 000 temporäre Aufenthaltsgenehmigungen über das H-2A-Programm stellte das US-Arbeitsministerium 2019 aus - mehr als doppelt so viele wie noch 2014. Zum ersten Mal kamen damit mehr Farmarbeiter - nun eingestuft als »systemrelevant« - als »Hochqualifizierte«. Im Juli unterzeichnete Trump ein Programm mit Guatemala - die Stoßrichtung: weniger Asylbewerber, mehr »farm workers«.

Diese dürfen nur für den Unternehmer arbeiten, der ihr Visum beantragt hat, und sind ihm somit ausgeliefert. Medienberichte zeigten katastrophale Zustände bei der Unterbringung der Arbeiter - Farmer oder Subunternehmer sind dazu verpflichtet - und ständige Verletzungen von Arbeitsschutzbestimmungen. Wer gar keine Papiere hat - rund die Hälfte der 2,4 Millionen Farmarbeiter im Land sind laut Schätzungen Migranten ohne Aufenthaltstitel -, dem droht die Abschiebung, weil die US-Regierung und vor allem republikanisch regierte Bundesstaaten hart gegen »Illegale« vorgehen. Damit steigt die Anfälligkeit für Ausbeutung noch.

Immer wieder werden etwa Lohnzahlungen verweigert. 2019 intervenierte das US-Arbeitsministeriums und erreichte für 5000 Arbeiter die Auszahlung von Gehältern. Doch Gewerkschafter und Farmarbeiter-Organisationen rechnen mit einer großen Dunkelziffer bei Verletzungen der Arbeitsrechte.

Fehlende Schutzausrüstung sorgte zunächst für Corona-Ausbrüche in Fleischfabriken, nun gibt es mit Start der arbeitsintensiven Ernte auf den Feldern viele Neuinfektionen bei Farmarbeitern. Je nach Region schreibt das H-2A-Programm einen Stundenlohn zwischen 11 und 15 Dollar vor, offiziell. Die Regierung will diesen noch kürzen.

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