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Corona krempelt die Arbeitswelt um: Sieger ist das Homeoffice

Studien

  • Von Alexia Angelopoulou
  • Lesedauer: 3 Min.

»Zwei von drei Angestellten arbeiten lieber zu Hause als im Büro« - das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK). »Viele Stressfaktoren fallen weg wie zum Beispiel lärmende Kollegen oder ein anstrengender Arbeitsweg«, sagt Oliver Schwab von der SDK. Darüber hinaus geben 57 Prozent der rund 1500 Befragten an, zu Hause besser kreativ arbeiten zu können - bei der Arbeit im Büro sagen das nur 18 Prozent.

Nur noch zu Hause bleiben wollen hingegen die wenigsten - das ergab eine Forsa-Umfrage, die der Industrieverband Büro und Arbeitswelt (iba) mit Sitz in Wiesbaden im April in Auftrag gegeben hatte. Die Menschen vermissten nicht zuletzt die gute Ausstattung ihrer Arbeitsplätze im Büro, sagt iba-Chef Hendrik Hund. Es müsse noch Einiges getan werden, damit die notdürftigen Arbeitsplätze zu Hause zu nutzbaren Büros würden.

Der Wandel hat jedenfalls dank Corona längst begonnen. »Die starren Strukturen gehören der Vergangenheit an«, sagt Carola Burrell, Marketingleiterin des Büromöbelherstellers Interstuhl. Das wirke sich auch auf die Anbieter von Büromöbeln aus. »Wir haben Großkunden, die für ihre Belegschaft Homeoffice-Produkte anbieten. Die Beschäftigten können etwa den Stuhl mit nach Hause nehmen oder die Möbel innerhalb eines Rahmenvertrags kaufen.« Die Hersteller müssten sich jedoch auch auf den neuen Markt einstellen. »Wir werden einen Teil des Sortiments mit anderen Oberflächen und Farben anbieten, weil es zu Hause meist kuscheliger ist als in der cooleren Büro-Atmosphäre.«

Bleibt der Trend erhalten?

Stellt sich die Frage, ob der Trend zum Homeoffice auch nach Corona erhalten bleibt. Die Experten sehen hier vor allem das Management in der Verantwortung. Es müsse ein Umdenken stattfinden, fordern sie. Arbeitgeber und Betriebsräte seien für die starren Strukturen gleichermaßen verantwortlich. Die klassische Denke, dass man immer vor Ort sein muss, sei tief verwurzelt.

»Der Arbeitgeber muss mehr Vertrauen in seine Leute haben und Freiräume ermöglichen«, sagt auch Carola Burrell. Ein neuer, kooperativer Führungsstil sei gefragt, eine neue Arbeitskultur. Allerdings müsse auch beides möglich sein: Homeoffice und Büroarbeit, weil die Heimarbeit nicht für jeden taugt.

Das bestätigen die Umfrageergebnisse der SDK: Die Produktivität im Homeoffice wird von jedem zweiten Befragten als Schwachpunkt eingestuft. »Menschen brauchen das Arbeitsumfeld im Büro mit Kollegen und Führungskräften, um sich gut organisieren zu können«, bestätigt iba-Chef Hendrik Hund. Zudem bestehe bei dauerhafter Arbeit zu Hause die Gefahr, die Bindung zum Unternehmen zu verlieren - ein weiteres Argument dafür, den Beschäftigten zwei Arbeitsplätze zu ermöglichen.

Denn die Vorteile von mehr Homeoffice gehen weit über die Arbeit an sich hinaus. »Wenn nur die Hälfte der Menschen künftig zu Hause arbeiten würde, würde der CO2-Abdruck schon auch entsprechend reduziert«, sagt Leitz-Chef Ard-Jen Spijkervet. »Es wäre schön, es gäbe weniger Autos auf der Straße, die Menschen hätten mehr Zeit, anstatt zu pendeln«, sagt auch Carola Burrell mit Blick auf die Lebensqualität.

Es geht ums Vertrauen

Bis dahin muss jedoch am Vertrauen gearbeitet werden. Das einzig negative Ergebnis der SDK-Umfrage ist bedrückend: »Die berufliche Freiheit wird teuer erkauft: 41 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich ein regelmäßiges Homeoffice nachteilig auf die Karriere auswirkt«, sagt Oliver Schwab von der SDK.

Was hingegen die Doppelbelastung von Beruf und Familie angeht, glauben immerhin rund 80 Prozent der Befragten, dass sie sich mit der Möglichkeit zu Homeoffice viel besser gestalten lasse. dpa/nd

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