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Hoffen auf die Hintertür

Leverkusens Fußballer bekommen mit der Europa League eine Extrachance - und Probleme

  • Von Andreas Morbach, Leverkusen
  • Lesedauer: 4 Min.

Lars Benders Erfahrungsschatz mit Verletzungen ist enorm, die letzte Fehlzeit verbuchte er in diesem Frühjahr. Wegen einer schweren Blessur am rechten Fuß musste Leverkusens Spielführer von Mitte Mai an 43 Tage pausieren, beim Bundesligafinale gegen Mainz kam er erstmals wieder zum Einsatz. Nach dem verlorenen Pokalendspiel sieben Tage später gegen die Münchner Bayern folgte ein zweieinhalbwöchiger Sommerurlaub. Am 23. Juli stiegen die Leverkusener Fußballer wegen der anstehenden Finalrunde in der Europa League dann schon wieder in die Vorbereitung ein. Mit einem Kapitän, der gerade mehr denn je im Hier und Jetzt lebt. »Wir haben doch in den letzten Monaten gesehen, dass jede Vorbereitung und Planung einen Tag später zerschlagen werden kann. Wir können nicht so weit in die Zukunft sehen und wissen, was im September oder November ist«, sagt der 31-Jährige. Entsprechend lautet seine Maxime: »Wir müssen jeden Wettbewerb isoliert betrachten. Und was danach kommt, sehen wir dann.«

An diesem Donnerstag steht für die Mannschaft von Trainer Peter Bosz zunächst das Achtelfinalrückspiel gegen die Glasgow Rangers an. Das Ticket für das Finalturnier im kleinen europäischen Klubwettbewerb, das von Montag an in vier Städten Nordrhein-Westfalens ausgetragen wird, ist nach dem 3:1-Sieg im ersten Duell - vor knapp fünf Monaten - zum Greifen nah.

Parallel dazu rückt auch die mutmaßliche Abschiedsshow von Kai Havertz bei seinem Ausbildungsklub immer näher. Zehn Jahre liegt der Wechsel des Supertalents von Alemannia Aachen in die Jugend von Bayer Leverkusen zurück. Anlässlich dieses Jubiläums platzierte der Werksklub auf seinem YouTube-Kanal gerade einen Film über Havertz, der demnächst zum teuersten Transfer der deutschen Fußballgeschichte avancieren dürfte. Der Umzug des 21-Jährigen von der Dhünn an die Themse zum FC Chelsea scheint beschlossene Sache zu sein. Allerdings verhandeln die frisch für die nächste Champions League qualifizierten Londoner mit den Leverkusener Bossen, die weiterhin auf einer Gesamtablösesumme von 100 Millionen Euro beharren, noch um den finanziellen Rahmen des Megadeals.

Ebenso wenig Zweifel wie an ihren wirtschaftlichen Vorstellungen lassen die Verantwortlichen auch an Havertz’ sportlichem Beitrag zum letzten Akt der durch die Corona-Pandemie zerrupften Spielzeit aufkommen. »Wir haben immer gesagt, dass wir die Saison mit dem Kader zu Ende spielen. Dazu gehört Kai, und dazu gehören alle anderen Spieler«, betont etwa Sportdirektor Simon Rolfes. Ein Wechsel von Havertz nach London noch vor Beginn des Europa-League-Turniers habe nie zur Diskussion gestanden.

Vor drei Jahren gelang dem jetzigen Bayer-Coach Bosz in der Europa League mit Ajax Amsterdam der Durchmarsch bis ins Finale. Beim Showdown in Solna unterlag seine Mannschaft damals Manchester United, das auch diesmal wieder als letzter Kontrahent warten könnte - beim Finale am 21. August in Köln. Vier Wochen später startet die Bundesliga in ihre 58. Saison. Und gerade für Klubs wie Leverkusen, Eintracht Frankfurt, RB Leipzig, Bayern München und den VfL Wolfsburg, die im August alle noch im internationalen Geschäft mitmischen, geht es diesmal um die richtige Trainingssteuerung. Mental und körperlich ermüdete Spieler seien anfälliger für Verletzungen, gibt Bosz zu bedenken. »An Corona hat niemand Schuld. Aber man muss nun noch mehr aufpassen, die Spieler nicht zu sehr zu belasten«, warnt der Trainer aus der Provinz Gelderland.

Von gesundheitlichen Tiefschlägen weiß vor allem Leverkusens Kapitän ein langes Lied zu singen. Die immer wieder neu auftretenden Verletzungen seien für ihn »Stiche ins Herz« und »Narben in mir, die wieder aufreißen«, bekannte Lars Bender nach der Rückkehr aus der kurzen Sommerpause. Der Defensivspieler denkt inzwischen über Konsequenzen aus seiner persönlichen Leidensgeschichte nach und beschrieb seine Situation als mental »sehr belastend«.

Bosz bezeichnet es im Rückblick auf den nach der zweimonatigen Coronapause wieder aufgenommenen Spielbetrieb als »physisch eigentlich unmöglich, in so vielen Spielen in so kurzer Zeit über 90 Minuten Gas zu geben.« Ein tragisches Beispiel in seinen Augen: Der 20-jährige Brasilianer Paulinho, der sich vier Tage vor dem Pokalfinale im Mannschaftstraining einen Kreuzbandriss zuzog. Weil die kommende Bundesligasaison wegen Corona mit einem Monat Verzögerung beginnt, wegen der EM im nächsten Sommer aber zum ursprünglich geplanten Termin beendet sein muss, will Bosz Leverkusens Fußballern nach der Europa League noch etwas Urlaub gönnen. »Aber wie viel das sein wird, hängt davon ab, wie weit wir kommen.«

Fest steht, dass Bayer im Falle eines Achtelfinalerfolgs über Glasgow sowohl das Viertel- als auch ein mögliches Halbfinale in Düsseldorf austragen würde. Beim Gewinn der Europa League lockt laut Bosz als »Extramöglichkeit« zudem der Zutritt in die Champions League durch die Hintertür. »Auch wenn noch einige Hochkaräter im Wettbewerb sind, ist das nicht unmöglich. Und dass die Spiele in Deutschland stattfinden, dürfte dabei schon ein Vorteil sein«, glaubt Angreifer Kevin Volland.

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