Syndikat

Sommer der Räumungen

Marie Frank über das Ende der Kneipe »Syndikat«

Von Marie Frank

Es ist passiert. Was viele lange befürchtet hatten, ist nun eingetreten, schlimmer noch, es nimmt gerade erst seinen Anfang. Der Sommer der Räumungen ist in Berlin keine ferne Bedrohung mehr, er ist mitsamt seiner Polizeigewalt in diese Stadt eingezogen, die einst ein Mekka für Freigeister und Andersdenkende war.

Wer geglaubt hatte, die Räumung der Neuköllner Kiezkneipe »Syndikat« und all der anderen bedrohten Projekte noch verhindern zu können, wurde eines Besseren belehrt. Berlin musste auf die harte Tour lernen, dass auch unter Rot-Rot-Grün kein Freiraum mehr vor der Profitgier von Immobilienspekulant*innen sicher ist.

Die Staatsmacht hat mit 700 Polizist*innen, Hundestaffeln, Hubschraubern, Klettereinheiten und einem riesigen Sperrbezirk gezeigt, dass sie die Gentrifizierung mit allen Mitteln durchsetzen wird.

Das »Syndikat« war mehr als nur eine linke Kneipe. Es ging hier nicht nur um Konsum - obwohl der für Berliner Innenstadtverhältnisse sogar noch bezahlbar war. Es war ein Ort, an dem sich Nachbar*innen austauschen konnten, in dem Netzwerke geknüpft wurden und wo auch nonkonforme Menschen willkommen sind, kurz, wo der Kiez lebt.

Ihre Verdrängung durch Immobilienspekulanten zeigt, dass im Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt härtere Bandagen angelegt werden müssen. Damit die Stadt denen gehört, die drin wohnen, und nicht denen, die sie kaufen, dürfen Besetzungen und Enteignungen keine Tabus sein. Und die Linke muss sich überlegen, auf welcher Seite sie steht, wenn sie nicht völlig ihre Glaubwürdigkeit verlieren will.

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