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Der kürzeste Weg zum Titel

Die Endrunde der Europa League in Nordrhein-Westfalen schürt viele Hoffnungen

  • Von Andreas Morbach, Düsseldorf
  • Lesedauer: 4 Min.

Im Februar, als er noch unter den kühlen Temperaturen im deutschen Winter litt, offenbarte Exequiel Palacios in einem Interview die Gründe für seinen Wechsel aus Buenos Aires in die Bundesliga. Sein Pflichtspieldebüt für Leverkusen im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Stuttgart lag da erst wenige Tage zurück. Doch sein Karriereziel hatte der 21-Jährige bereits klar vor Augen: Er sei nach Europa gekommen, um in der Champions League zu spielen, betonte der junge Argentinier - der zuletzt allerdings erst mal im kleineren der beiden kontinentalen Wettbewerbe auf sich aufmerksam machte. Beim 1:0 am Donnerstagabend gegen die Glasgow Rangers, mit dem die Werkself nach dem 3:1 im Hinspiel - knapp fünf Monate zuvor - problemlos ins Viertelfinale der Europa League einzog, avancierte Palacios zu einer der positiven Überraschungen im Team der Gastgeber. »Ich war sehr zufrieden mit seiner Leistung, er war einer der besseren Spieler bei uns. Der Junge hat sich wirklich gut reingespielt und reingekämpft«, lobte Trainer Peter Bosz den Wintereinkauf von River Plate.

Zwar dauerte die Eingewöhnung an das neue Umfeld bei Palacios deutlich länger als bei Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der ebenfalls in der Winterpause zu den Leverkusenern gestoßen war. Nicht zuletzt wegen seiner vielseitigen Verwendbarkeit im Mittelfeld und angesichts der Gelbsperre des chilenischen Abräumers Charles Aranguiz darf Palacios im Viertelfinale am an diesem Montag gegen Inter Mailand nun aber erneut auf einen Platz in der Startelf hoffen.

Das Duell mit dem prominenten Gegner aus der Lombardei in Düsseldorf ist der Start in ein Finalturnier, dessen spezieller Charakter Fernando Carro längst geläufig ist. »Das Format ist einer sportlichen und terminlichen Notsituation entsprungen«, weiß Leverkusens Geschäftsführer. Doch der gebürtige Katalane kennt auch das entscheidende Plus des knapp zweiwöchigen Finalturniers in Nordrhein-Westfalen. »Der Weg ins Finale«, betont er, »ist für alle Teams kürzer als je zuvor.« Am 17. Juni gab die Uefa der Bewerbung des DFB mit den Austragungsorten Düsseldorf, Duisburg, Gelsenkirchen und Köln den Zuschlag. Ein auf den ersten Blick prestigeträchtiger Auftrag - die Werbewirksamkeit der Veranstaltung ist wegen der fehlenden Fans in den Stadien und auf den Straßen jedoch primär in die Zukunft gerichtet.

»Dass bei so einem Turnier keine Zuschauer dabei sind, ist natürlich jammerschade«, seufzt Gregor Timmer im Gespräch mit »nd«. Der Leiter des Sportamts der Stadt Köln sagt aber auch: »Das Finalturnier der Europa League ist ein international stark beachtetes Ereignis. Insofern ist das Werbung für den Sportstandort Köln - was auch über das Turnier hinaus Wirkung haben wird.«

Mit Blick auf das Konzept zur Austragung der Olympischen Sommerspiele 2032 hob der Sportmanager Michael Mronz, Begründer der Initiative »Rhein Ruhr City 2032«, bereits die »einzigartige Sportstätteninfrastruktur« des Landes Nordrhein-Westfalen hervor. »Wenn man sich als ein Standort bewährt, der große sportliche Ereignisse stemmen kann«, stimmt Sportamtsleiter Timmer nun zu, »ist das auch ein Wegweiser für ein Thema wie zum Beispiel Olympia.« Hoffnung auf positive Publicity hegen neben Köln, wo jeweils ein Viertel- und ein Halbfinale sowie das Endspiel am 21. August stattfinden, auch die anderen drei Gastgeberstädte Gelsenkirchen und Duisburg, in denen jeweils zwei Partien austragen ausgetragen werden.

Untergebracht sind die Mannschaften in Quarantänehotels in Düsseldorf und Köln, die sie einen Tag vor dem Start des Turniers beziehen und dort bis zum Ausscheiden Station machen müssen. Anstatt 18 dürfen bei den Spielen der Finalrunde jeweils 23 Akteure in den Kader berufen werden. Zudem kann, wie zuletzt auch in der Bundesliga praktiziert, in jeder Partie bis zu fünf Mal gewechselt werden. Bei einer Verlängerung sogar sechs Mal. Wie viel Geld in der Finalrunde an die beteiligten Klubs ausgezahlt wird, muss die Uefa in Anbetracht der Ausnahmesituation - die Viertel- und Halbfinals werden nicht wie sonst in Hin- und Rückspiel, sondern in nur einer Partie entschieden - noch endgültig bewerten. Normalerweise wären ab dem Viertelfinale im Optimalfall 12,4 Millionen Euro an Prämien zu verdienen.

Aus Sicht der Leverkusener steht zumindest fest, dass das 21-jährige Supertalent Kai Havertz in der Europa League nochmals für die Bayer-Elf zu Werke geht. »Kai ist konzentriert und sehr motiviert. Er will Fußball spielen, mit uns etwas erreichen - und die Chance haben wir«, gab Trainer Bosz vor dem ersten Anpfiff zu Protokoll. Der Weg zum möglichen Titel in der benachbarten Domstadt beginnt für seine Mannschaft allerdings zunächst in Düsseldorf. Am Sonntag bezogen die Rheinländer in der Landeshauptstadt Quartier. Laut Bosz ist das Hotel nur 100 Meter von seiner Wohnung entfernt. »Ein bisschen komisch«, findet der 56-Jährige die Situation. »Aber vielleicht kann ich meiner Frau ja hin und wieder aus dem Hotelfenster zuwinken.«

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