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Streben nach Weiterentwicklung

Weitspringerin Malaika Mihambo nutzt die ungewöhnliche Saison für Veränderungen - die größte muss aber noch warten

  • Von Kristof Stühm, Braunschweig
  • Lesedauer: 3 Min.

Carl Lewis hier, Carl Lewis da. Malaika Mihambo musste nach dem Wettkampf fast nur Fragen zu ihrem neuen Trainer beantworten. Aber Deutschlands Leichtathletikstar meisterte auch diese womöglich etwas lästige Aufgabe bei den Deutschen Meisterschaften am Sonntagabend in Braunschweig, wie man es mittlerweile von ihren Auftritten in den Sandgruben dieser Welt gewohnt ist: selbstbewusst, souverän, bestimmt. Wegen der Corona-Pandemie sei ihr US-Abenteuer erst einmal auf »unbestimmte Zeit verschoben«, sagte Mihambo also gebetsmühlenartig, nachdem sie bei den Geistermeisterschaften aus verkürztem Anlauf 6,71 Meter weit gesprungen war. Die Situation in den USA und Texas, wo sie, sobald es die Lage zulässt, unter Lewis ein noch höheres Level erklimmen will, sei »dramatisch«, die hätten da drüben noch ganz andere Probleme.

Corona hat das Leben vieler Athleten gehörig durcheinandergewirbelt - doch das von Mihambo noch einmal besonders. Ihr Traum vom Leben jenseits des Atlantiks und vom Training mit dem neunmaligen Olympiasieger Lewis, das Streben nach »Weiterentwicklung«, sowohl »menschlich« als auch »als Athletin«, liegt erst einmal auf Eis. Und wohl keine deutsche Sportlerin ist von der Verschiebung der Olympischen Sommerspiele ins kommende Jahr so sehr getroffen wie die 26-Jährige - mit ihrer Form hätte sich die Heidelbergerin in Tokio eigentlich nur selber schlagen können.

Und doch scheint das alles an Mihambo abzuperlen. Deutschlands Sportlerin des Jahres ruht trotz allem in sich selbst. Aus der Krise nimmt sie sogar etwas mit. »Ich habe viel dazugelernt und bin als Person sehr gereift. Ich habe viele Dinge ausprobiert, zum Beispiel verschiedene Schlafrhythmen oder eine komplett vegane Ernährung«, berichtete sie zuletzt. Später ergänzte sie: »Ich habe sehr viel Bewusstsein gewonnen.« Daraus ziehe sie »eine Sicherheit, die sehr viel Kraft gibt, gerade in diesem turbulenten Jahr«.

Wie viel Kraft und Klasse Mihambo auch ein Jahr nach ihrem Goldsprung bei den Weltmeisterschaften in Doha auf 7,30 Meter weiterhin hat, deutete sie in Braunschweig an. »Mit der Weite bin ich superhappy, da ich aus sehr verkürztem Anlauf mit nur 16 Schritten gesprungen bin. Das habe ich noch nie gemacht«, sagte Mihambo. Normalerweise baut sie mit 20 Schritten noch mehr Tempo auf, um den Speed in Weite umzusetzen. Mit 16 Schritten sind Sieben-Meter-Sprünge auch für sie schlicht nicht möglich.

»Ich werde dieses Jahr auch den Anlauf nicht mehr verlängern, sondern weiterhin aus 16 Schritten springen«, sagte Mihambo, die in dieser verrückten Saison noch am 13. September beim Istaf in Berlin im Weitsprung antreten will. »In der Vorbereitung lief es nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich habe mir zudem genügend Zeit genommen, meine Rückenverletzung auszukurieren«, sagte sie. Neben dem Istaf sind noch Starts über 100 Meter am kommenden Sonntag in Leverkusen und am 8. September in Dessau geplant, ehe die lange Vorbereitung auf Tokio beginnt. Mihambo hat ihren »Schwerpunkt« neu ausgerichtet - Olympia steht natürlich über allem. SID/nd

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