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Der Gegner darf kommen

Das Viertelfinale der Champions League zwischen Leipzig und Madrid wird trotz Coronafällen ausgetragen

  • Von Ullrich Kroemer
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Entwarnung aus Madrid kam früher als erwartet. Zur Siesta - und nicht erst am Abend wie erwartet - erklärte der Club Atlético de Madrid, dass bei neuerlichen Coronatests von Team und Trainerstab keine weiteren positiven Befunde dazugekommen seien. So kann der spanische Ligadritte am Dienstagvormittag mit einem Tag Verspätung nach Lissabon reisen, wo am Donnerstag das Viertelfinale der Champions League gegen RB Leipzig ansteht. Bereits am Montagnachmittag nahm Atlético nach 17 Stunden Konfusion das Training wieder auf.

Bei den beiden zuvor positiv getesteten Spielern handelt es sich um Stürmer Angel Correa und Abwehrspieler Sime Vrsaljko, die zwar keine Symptome aufweisen, jedoch laut Regularien weiterhin zu Hause isoliert sind und Madrid nun fehlen werden. Der Kroate Vrsaljko war allerdings ohnehin verletzt. Offensivmann Correa hingegen war eine Option für das Duell gegen RB.

Die Leipziger, die bereits im noblen Lissaboner Badevorort Estoril Quartier bezogen haben, reagierten erleichtert auf den Befund aus Madrid. Wären weitere Spieler oder Betreuer positiv getestet worden, dann wäre schließlich fraglich gewesen, ob Madrid überhaupt hätte einreisen dürfen. Die Partie hätte verschoben werden müssen, oder Madrid hätte im Quarantänefall gar nicht antreten können. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hatte in einer Videobotschaft des Klubs eindringlich betont: »Wir lassen das nicht an uns heran!« Fußballalltag 2020.

So blieb der Fall fürs Erste nur eine aufregende Irritation in der Vorbereitung für beide Klubs - bei Atlético freilich wesentlich mehr als bei RB. Doch es wurde auch deutlich, wie gewagt ein solches Königsklassen-Experiment mit acht Teams und sieben Spielen in einer Stadt innerhalb von nur elf Tagen ist. Zwar hat Europas Dachverband Uefa ein 34-seitiges Protokoll zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs ausgeklügelt, in dem von der Anreise über Testabläufe bis zur Medienbegleitung unter höchsten Sicherheitsauflagen alles Administrative geregelt ist. Doch was mit Teams geschieht, deren Spieler sich infizieren, ist nicht en détail hinterlegt und soll offenbar von Fall zu Fall entschieden werden. »Die Uefa wartet auf die aktualisierten Testergebnisse und wird dann entscheiden«, hatte ein Sprecher auf Anfrage mitgeteilt.

Brisant ist, dass Portugals Nachbarland Spanien als derzeitiger europaweiter Corona-Hotspot besonders im Fokus steht. Vor allem in den Regionen im Norden rund um Teilnehmer Barcelona, aber auch in und um Madrid stiegen die Zahlen in den vergangenen Tagen rasant. Etwa 3000 Neuinfektionen täglich wurden zuletzt vermeldet.

Das geht trotz aller Champions-League-Fokussierung auch an Leipzigs spanischem Offensivspieler Dani Olmo nicht spurlos vorbei. Der 22-Jährige betonte am Montag, dass sich die Situation in seinem Heimatland wieder zuspitze. »Es war etwas besser, aber nachdem Normalität eingezogen ist, wird es jetzt wieder schlechter. Es ist wirklich schlimm, jeder muss überall aufpassen. Viele Menschen sind gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren«, appellierte er intensiv. »Jeder muss jetzt clever sein und das tun, was die Experten raten. Wenn man zu Hause bleiben und Mundschutz tragen soll, dann ist das eben so. Die Gesundheit ist das Wichtigste.«

Das wirft freilich auch erneut die Frage auf, ob ein internationales Fußballturnier mit Mannschaften aus fünf Nationen in diesen Tagen, da die zweite Coronawelle in Ländern wie Spanien schon anrollt, überhaupt verantwortbar und das richtige Signal ist.

RB folgt indes dem Maßnahmenkatalog der Uefa penibel. Die Leipziger sind angehalten, die Nobelherberge außer zu Trainings und zum Spiel im Stadion von Sporting Lissabon nicht zu verlassen. Bei seiner Viertelfinalpremiere hat der Klub im Hotel einen abgeschlossenen Teil mit eigenen Behandlungs-, Athletik- und Besprechungsräumen sowie eigenem Speisesaal gemietet. Die Hoteletage des Teams ist komplett abgeriegelt. Die Spieler reisen in zwei Bussen zum Training und zum Spiel, in der Mensa dürfen die Tische nur zur Hälfte besetzt werden. Der Mund-Nasen-Schutz ist ständig dabei. Nach einem Coronatest vor der Abreise muss auch drei Tage vor dem Spiel sowie noch einmal 24 bis 30 Stunden vor der Partie erneut getestet werden.

Und dennoch wäre es verwunderlich, wenn der Fall bei Atlético der letzte bei diesem Turnier gewesen wäre. Noch hat es ja nicht einmal begonnen.

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