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Im Kampf gegen die Barbarei

Sachsen braucht die Antifa und die Antifa braucht Geld. Das Künstlerkollektiv Peng! verteilt daher um

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Was haben ein Kantholz, ein Einkaufswagen und ein Bierkasten gemeinsam? Was klingt wie der Auftakt zu einem schlechten Witz oder einem gutem Rätsel, ist eigentlich eine Kunstausstellung. Und der Versuch, Staatsgelder an die Antifa weiterzuleiten.

Insgesamt zehn Gegenstände stellt das Künstler*innenkollektiv Peng! ab dem 15. August 2020 in seiner Ausstellung »Antifa - Mythos & Wahrheit« in den Sächsischen Kunstsammlungen Chemnitz aus. 10 000 Euro Projektbudget hat der sächsische Freistaat den Aktionskünstler*innen dafür überlassen - 1000 Euro pro Exponat.

Ob der Einkaufswagen aus der Connewitzer Silvesternacht, die Spraydose von Irmela Mensah-Schramm oder der Antifa-Anstecker der Linke-Politikerin Martina Renner. Bei seiner Einkaufstour hat das Kollektiv legendäre Gegenstände aus dem Kampf gegen Nazis und Rassismus erworben - und damit Tausende Euro Steuermittel an die Antifa weitergeleitet. Ganz nach seiner Devise, ein explosives Gemisch aus Aktivismus, Hacking und Kunst im Kampf gegen die Barbarei unserer Zeit zu sein.

Ein Kantholz, mit dem Frank Magnitz von vermummten Autonomen verprügelt worden sein soll, findet sich ebenfalls unter den Exponaten. Die Geschichte stellte sich später als Hirngespinst des AfD-Mannes aus Bremen heraus. Das Kantholz, mit dem er verdroschen worden sein soll, gibt es allerdings wirklich.

In den frühen Stunden des neuen Jahres sorgte in Leipzig dann ein brennender Einkaufswagen für Empörung: Bei dem Versuch, diesen zu löschen, soll am Connewitzer Kreuz in Leipzig ein Polizist von Autonomen schwer verletzt worden sein. »Versuchter Mord« wurde Linken unterstellt, und Aussteigerprogramme für sogenannte Linksextremisten wurden gefordert und auch »Panzer nach Connewitz«. Campino soll auch schon für die neue Schulhof-CD »Rock gegen Links« angefragt worden sein.

Doch das Gerede über linke Gewalt fand abrupt ein Ende, als ein sehr guter Journalist des sehr guten Leipziger Stadtmagazins »Kreuzer« einmal beim Krankenhaus nachfragte, wie es dem betroffenen und schwer verletzten Beamten denn gehe. Dort zeigte man sich verwirrt darüber, dass die Polizei von einem in Lebensgefahr schwebenden Beamten sprach. Eine ausstellungsreife Geschichte. Das Peng!-Kollektiv hat den Einkaufswagen gekauft und das Geld an eine Antifa-Gruppe weitergeleitet.

»Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen.« Dieses Zitat aus dem »Kommunistischen Manifest« müssen die Künster*innen im Hinterkopf gehabt haben, als sie das Motto ihrer Ausstellung entwarfen: »Sachsen braucht die Antifa. Die Antifa braucht Geld.«

Dabei geht es ihnen darum, auf einen Skandal hinzuweisen: dass nämlich Nazis mordend durch das Land ziehen und immer mehr Orte in Sachsen zu Angsträumen für Linke, Punks und Migranten werden. Sachsen sei bundesweit zu einem Synonym für rassistische Übergriffe geworden, erklärt das Kollektiv. Und dass die Gelder für Demokratieprojekte, für antifaschistische Aufklärung immer knapper werden. Da kann man schon mal Gelder vom Staat umverteilen.

Und die Sammelaktion geht noch weiter: Um noch mehr Geld für antifaschistische Arbeit zu bekommen, sollen bei einer »Antifaschistischen Auktion« alle Gegenstände versteigert werden. Die Erlöse unterstützen das Alternative Jugendzentrum Chemnitz. Versteigert wird bereits am 22. August.

Vom 15.8. bis zum 25.10. als Teil des Festivals »Gegenwarten« in der Kunstsammlung Chemnitz und auf www.antifa.de zu sehen.

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