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  • Berlin
  • Solidarisches Grundeinkommen

Botschafter der Solidarität

Ein Jahr nach Einführung des Solidarischen Einkommens sind Teilnehmer überzeugt von der Idee

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) ist sich am Donnerstagmittag sicher: »Sie alle hier sind die besten Botschafter der Idee«, richtet sie sich an die anwesenden Teilnehmer*innen im Pilotprojekt Solidarisches Grundeinkommen (SEG) des rot-rot-grünen Senats. Neun von mittlerweile 543 Berliner*innen sind zum eher klein gehaltenen Termin im Festsaal des Roten Rathauses unter Corona-Bedingungen eingeladen und werden ermuntert, von den Erfahrungen mit ihrer neuen Beschäftigungssituation in den vergangenen Monaten zu berichten.

Christian Mann war ein Jahr arbeitslos, als er eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung zum SEG erhalten habe, erinnert er sich. Der gelernte Einzelhandelskaufmann wollte nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und war noch perspektivlos. Die Ankündigung habe ihn neugierig gemacht, erzählt der 26-Jährige. Er bewarb sich auf eine SEG-geförderte Stelle. Seit April diesen Jahres ist Mann nun Mobilitätshelfer für ältere Menschen beim Regionalverband der Johanniter-Unfallhilfe und sagt, er sei sehr glücklich mit dieser Tätigkeit: »Ich habe ja gar nicht gewusst, dass es diesen Beruf überhaupt gibt.«

Es war ein ambitioniertes Vorhaben, das vor einem Jahr gestartet wurde: Vor allem in landeseigenen Betrieben, in der Verwaltung und bei sozialen Trägern sollten die Jobs angesiedelt sein, in Kitas und Schulen, als Quartiershelfer und Mobilitätshelfer im Öffentlichen Personennahverkehr zum Beispiel.

Als »Alternative zu Hartz IV« und »wichtigen Baustein für ein neues Sozialstaatsmodell« hatte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), das SEG seinerzeit beworben. Am Donnerstag nun sagt er, dass es 1000 Menschen eine rasche und vor allem langfristige berufliche Perspektive ermöglichen soll - aber anders als entlang arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen auf freiwilliger Basis. Müller gilt als Verfechter der Idee, fand aber im Bund bisher wenig Unterstützung.

Es gehe um »gute Arbeit, die vernünftig bezahlt wird«, sagt Elke Breitenbach im Roten Rathaus: Deshalb werden 53 Prozent der über das SEG Beschäftigten nach Tarif bezahlt, die anderen 47 Prozent nach dem landeseigenen Mindestlohn von 12,50 Euro. Unter den Teilnehmenden sind Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderungen, Flüchtlinge und fast ein Fünftel Alleinerziehende, berichtet Breitenbach.

Auch Ilham Abdulrahman gehört dazu. Die 53-jährige Syrerin hat 20 Jahre als Englischlehrerin gearbeitet, bevor sie vor dreieinhalb Jahren vor dem Krieg, den der syrische Diktator al-Assad gegen große Teile der syrischen Bevölkerung führt, nach Deutschland floh. »Ich habe hier in Berlin nach einem Platz für mich gesucht, nach einer Arbeit, die dazu passt«, erinnert sich Abdulrahman. Im Rahmen des SEG hat sie nun im März 2020 eine Beschäftigung aufgenommen, in der sie ihrem Wunsch, »Menschen aus vielen Kulturen zusammenzubringen«, ein Stück näher gekommen ist: Sie arbeitet als Stadtteilmutter im Evangelischen Kirchenkreis Reinickendorf.

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