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Sonntagmorgen

Revolution im Catering

Von Robert Rescue

»Schauen Sie mal, was ich hier habe, Herr Rescue.« Die Catering-Chefin der Komfortstation stürmt auf mich zu. »Ab sofort gibt es eine Whatsapp-Gruppe, wo sie einfach reinschreiben, was sie brauchen, und die Kollegin bringt ihnen das geschwind.«

Habe ich das richtig gehört? Eine Whatsapp-Gruppe? Was ist, wenn ich nicht mehr im Krankenhaus bin? Bekomme ich dann ständig Nachrichten wie: »Eine Wasserflasche und ein Stück Kuchen für Zimmer drei, bitte«?

»Das wird toll, Herr Rescue«, jubelt sie. »Dadurch werden die Arbeitsabläufe vereinfacht, und die Patienten werden nur noch vom Personal belästigt, wenn sie es ausdrücklich wünschen.«

Na ja, als Belästigung würde ich das nicht auffassen. Ich kann mir eine Frühstücksauswahl zusammenstellen, die mir dann gebracht wird. Oder ich verzichte drauf und gehe selbst frühstücken, was jeder hier machen dürfte, der mobil ist. Man ist ja froh um jede Gelegenheit, andere Kranke zu treffen. Das Gleiche gilt für das Mittag- und Abendessen. Theoretisch kann man den Catering-Dienst also ignorieren, auch das Kuchenangebot am Nachmittag. Bezahlen muss man die Dienstleistung trotzdem.

»Probieren Sie den Service doch mal aus, Herr Rescue, und sagen Sie mir dann, was Sie davon halten.«

Später installiere ich die App. Die Catering-Chefin scheint von Apps oder Smartphones keine Ahnung zu haben. Whats- app-Gruppe, so ein Quatsch. Da wäre ich nie freiwillig reingegangen. Früher oder später fangen die Leute dann an, lustige Bilder und Sprüche zu posten oder von sich zu erzählen. Wenn ich ungehemmten sozialen Kontakt will, dann hätte ich mir kein Einzelzimmer gebucht, sondern wäre auf die Plebs-Station gegangen, wo man bei zehn Tagen Aufenthalt alles über seine Zimmergenossen erfährt und Anteil nimmt an ihren Ausdünstungen. Ich rufe die App auf, wähle mich durch ein kompliziertes Menü und bestelle zwei Flaschen Wasser. Danach starre ich eine Weile auf das Display. Ob diese App überhaupt funktioniert? Ist das nicht Blödsinn?

Ich stehe auf, um draußen eine zu rauchen. Auf dem Flur treffe ich die Catering-Chefin. »Ich habe die App installiert und was bestellt«, sage ich zu ihr. »Ich bin gespannt, ob die Sachen schon da sind, wenn ich zurückkehre.«

»Bestimmt, Herr Rescue«, ruft sie aus. »Sie werden sehen, Sie werden noch viel Freude mit dieser Whatsapp-Gruppe haben.«

Draußen vor dem Haupteingang treffe ich auf Margot, eine von der Catering-Crew. Die Mitarbeiter vom Catering sind mir die liebsten im Krankenhaus. Ihnen vertraue ich blind. Am Anfang haben mir alle abgeraten, die Spaghetti mit Tomatensoße zu bestellen. Ich habe sie dann doch ausprobiert, und Margot hat sich mit einem Eimer neben das Bett gestellt und gewartet, bis ich meine Wahl bereue.

»Habe dich mit der Chefin gesehen«, sagt sie.
»Ja«, antworte ich. »Ich habe die App ausprobiert.«
»Was willst'n haben?«
»Zwei Flaschen Wasser.«
»Bringe ich dir gleich.«
»Und die App?«
»Vergiss den Scheiß! Der funktioniert eh nicht.«
»Verstehe.«

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