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Steigender Bedarf an Sozialwohnungen

Laut Gutachten gibt es weniger Wohnungen mit Preisbindung

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die Zahl der Menschen, die auf eine Wohnung mit reduzierter Miete angewiesen sind, ist enorm gestiegen: Insgesamt werden in Deutschland derzeit mehr als 8,5 Millionen Wohnungen auf niedrigem, bezahlbarem Mietniveau benötigt - deutlich mehr als der Wohnungsmarkt mit seinen weniger als 1,2 Millionen Sozialwohnungen hergibt. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) gemacht hat.

Trotz einer insgesamt positiven Entwicklung von Bevölkerung und Beschäftigung fand demnach keine Entsprechung beim Wohnungsbau statt. Ende 2019 fehlte laut der Untersuchung die Wohnungsbauleistung von über zwei Jahren. Insgesamt ergab sich aus dem Zusammenspiel von Bevölkerungsentwicklung und deren regionaler Verteilung, sowie der unzureichenden Wohnungsbautätigkeit eine deutliche Anspannung auf vielen Wohnungsmärkten. Damit relativiere sich laut Gutachten auch die Behauptung, dass neben dem Sozialwohnungsbestand ein breites Angebot an preiswerten Wohnungen vorhanden sei. Die mit einem Mieterwechsel verbundenen Mieterhöhungen führen bei insgesamt knappen Wohnungsangebot oft dazu, dass die im vorherigen Mietverhältnis noch bezahlbaren Wohnungen aus dieser Kategorie herausfallen.

Obwohl es laut Analyse vom Pestel-Institu eine »außerordentlich« positive Beschäftigungsentwicklung bis Ende 2019 gegeben habe, sei die Zahl armutsgefährdeter Einwohner in Deutschland deutlich angestiegen. Sie vergrößerte sich demnach von gut zwölf Millionen im Jahr 2011 auf 13,2 Millionen im Jahr 2019. Als Armutsgefährdet gelten dabei diejenigen, die unter 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens haben. Bei Alleinerziehenden sind das beispielsweise diejenigen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 1700 Euro oder weniger. Trotz Milliardenförderung sinkt die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland seit Jahren. Bei diesen Wohnungen sind die Mieten staatlich reguliert. Nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen, dürfen dort einziehen.

IG Bau-Chef Robert Feiger stellte am Sonntag fest: »Die Zahlen vom Pestel-Institut spiegeln eine dramatische Entwicklung wider.« In den vergangenen zehn Jahren hätte die Anzahl der Menschen, die auf eine Wohnung mit niedriger, bezahlbarer Miete unbedingt angewiesen sind, drastisch zugenommen - um 1,28 Millionen. Das ist ein Zuwachs von 10,7 Prozent. »Und das bei einer außerordentlich positiven Beschäftigungsentwicklung, die es bis zu Beginn der Corona-Pandemie gab«, sagte Robert Feiger. »Der Staat muss bezahlbares Wohnen endlich als Teil der Daseinsvorsorge begreifen und realisieren.« dpa/nd

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