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Klimaschädlich und unwirtschaftlich

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt über Regionalflughäfen, die mit Subventionen am Leben gehalten werden

  • Von Olaf Bandt
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Coronakrise hat uns weiter im Griff. Feiern, Shoppen, Fußballstadion - alles nur mit Maske oder gar nicht. Immerhin geht Reisen wieder ein bisschen, wenn auch nicht überall hin. Nur schnell muss es gehen und billig soll es sein. Am besten hebt der Flieger vor der Haustür ab. Das Prinzip nennt sich Regionalflughafen. Deutschland hat mehr als ein Dutzend davon.

Nichts gegen Reisen - auch nicht in »Ich-bin-dann-mal-weg«-Manier - wenn es mal nötig ist. Aber es bleibt trotz Billigfluglinien ein Privileg. Und das wird von uns allen bezuschusst - egal, ob wir fliegen oder nicht. Dabei arbeiten viele deutsche Regionalflughäfen nicht erst seit der Corona-Pandemie unwirtschaftlich und schaden dem Klima. Jahr um Jahr fließen Subventionen in ihren Betrieb statt in eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur. Investitionen in den Ausbau eines internationalen Zug-Flug-Systems, in Netze des öffentlichen Nahverkehrs oder der Fahrradinfrastruktur wären viel sinnvoller. Sie würden auch mehr Menschen zu Gute kommen. Und wenn wir schon von öffentlichen Geldern sprechen: Wie wär’s mit mehr Geld für Pflegekräfte in öffentlichen Krankenhäusern oder für Schulen?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) haben sich die insgesamt 14 Regionalflughäfen mit 200 000 bis zu drei Millionen Fluggästen angesehen und nach Wirtschaftlichkeit, Verkehrsentwicklung und Anbindung bewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sieben von ihnen sind komplett verzichtbar. Das System der Regionalflughäfen ist ökonomisch nicht nachhaltig, nicht bedarfsgerecht und klimapolitisch bedenklich.

Mit 24 Hauptverkehrsflughäfen, darunter die Regionalflughäfen, wurden in Deutschland massive Überkapazitäten aufgebaut. Von den Regionalflughäfen liegen die Konkurrenzflughäfen durchschnittlich 60 Autominuten, die nächsten internationalen Großflughäfen weniger als 100 Bahnminuten entfernt. Letztere bieten im Wesentlichen die gleichen Flugziele an und darüber hinaus ein umfassendes Netzwerk weiterer Destinationen.

Regionalflughäfen sind häufig Prestigeobjekte. Aber das deutsche Flughafensystem muss wirtschaftlicher und verkehrspolitisch effizienter werden - und in Einklang mit unseren Klimavorgaben stehen. Nimmt man alle Klimawirkungen zusammen, entsprachen die 2019 einer Emission von 4,2 Millionen Tonnen CO2. Klar ist also: Jeder nicht notwendige Flug sollte unterbleiben, jedes Flugzeug am Boden spart CO2.

Bei den Regionalflughäfen lassen sich Rechtfertigungsversuche wie jüngst vom Flughafenverband ADV nicht einmal ökonomisch stichhaltig begründen. Denn fast alle betrachteten Flughäfen weisen Verluste auf, halten mit Subventionen aus öffentlichen Kassen ihre Gebühren und Flugpreise niedrig. Kaum einer ist zwischen 2016 und 2018 ohne ausgekommen. Subventionen, die zudem oft von kleinen Gemeinden und Städten aufgebracht werden müssen - zu allem Überfluss in Corona-Zeiten.

Ab 2024 sind Beihilfen EU-rechtlich untersagt. Nur vier der Regionalflughäfen konnten 2019, also vor der COVID 19-Krise, Fluggastzuwächse gegenüber 2014 aufweisen. Vier erlitten 2019 dramatische Einbrüche. Das Sterben der Regionalflughäfen ist also eine Frage der Zeit. Die Frage ist nur: Wollen wir vier weitere Jahre lang öffentliche Gelder in unsinnige Flughäfen stecken?

Auch das Argument der Verkehrsanbindung verfängt nicht: Denn nur die drei Flughäfen Bremen, Dresden und Friedrichshafen in geografischer Randlage leisten einen relevanten Beitrag zur sogenannten Konnektivität - indem sie ihre Region mit den internationalen Flugverkehrsnetzen und europäischen Wirtschaftszentren verknüpfen. An allen anderen geht es fast nur um Urlaubs- und Freizeitflüge in Warmwassergebiete des Mittelmeers und Schwarzen Meers und nach Ägypten sowie Städtereisen - das Revier von Billigflug-Airlines.

Angesichts der Klimakrise, die sich gerade wieder in einem weiteren Dürresommer gezeigt hat, sind ein solches Übermaß und eine solche Reisepraxis nicht vertretbar. Es gibt kein Recht auf den Wochenendtrip zum Ballermann. Und erst recht nicht darauf, dass alle mit Steuergeldern dafür zahlen, dass er so billig ist.

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