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Proteste gegen Polizeigewalt stoppen den US-Sport

Ausgehend vom Boykott der Basketballer aus Milwaukee setzen die meisten Profiligen ihre Spiele aus

  • Von Thomas Häberlein und Lars Weiske
  • Lesedauer: 3 Min.

Sie hatten genug. Nach den sieben Schüssen eines weißen Polizisten auf einen Schwarzen, nach stundenlangen Diskussionen in ihrer Coronablase in Florida und aufgewühlt von einem Gefühl der Ohnmacht konnten und wollten sie nicht mehr: Die Milwaukee Bucks aus Wisconsin, Meisterschaftsfavorit in der Basketballliga NBA, beheimatet rund 55 Kilometer nördlich der Stadt Kenosha, in der Jacob Blake am Sonntag niedergestreckt worden war, gingen aus Protest in den Streik. Und das war erst der Anfang.

Innerhalb weniger Stunden kam am Mittwoch der US-Sport zum Erliegen - am vierten Jahrestag des ersten Kniefalls von Quarterback Colin Kaepernick, der mit seinem Protest nicht zuletzt auf die Polizeigewalt gegen Schwarze aufmerksam machen wollte. Zuerst boykottierten die Bucks ihr Playoff-Spiel in der Blase in Disney World. Weil sich auch ihr Gegner Orlando Magic und vier weitere Klubs solidarisch zeigten, sagte die NBA auch die zwei übrigen Spiele an diesem Tag ab.

Ein kraftvolles Statement gab im Laufe dieses historischen Tages auch Naomi Osaka ab: Japans ehemalige Nummer eins der Weltrangliste erklärte, sie verzichte auf ihre Teilnahme am Halbfinale bei den Western & Southern Open in New York. »Ich bin eine Tennisspielerin, aber noch mehr bin ich eine afroamerikanische Frau.« Sie habe »es satt, die immergleiche Debatte zu führen. Wann ist es endlich genug?« Die Veranstalter sagten daraufhin alle Spiele am Donnerstag ab.

Dass in der NBA Tatsachen geschaffen werden könnten, hatte sich bereits am Dienstag abgezeichnet. Nachdem viele Spieler angesichts der Unruhen nach der Ermordung des Schwarzen George Floyd durch weiße Polizisten nur widerwillig in die Blase in Florida gezogen waren, diskutierten zuerst die Spieler von Titelverteidiger Toronto Raptors über einen Streik. »Wir reden über Veränderungen«, sagte Point Guard Fred VanVleet, »aber irgendwann müssen wir unsere Chips auf den Tisch legen und riskieren, dass wir etwas verlieren.«

Am Dienstag hatten schon die Detroit Lions aus der Footballliga NFL ihr Training aus Protest gegen die Schüsse auf Blake boykottiert. Auch die Spieler der Bucks wollten nicht mehr nur reden, sondern handeln und Druck aufbauen. In einer Mitteilung schrieben sie: »Wir rufen nach Gerechtigkeit für Jacob Blake und fordern, dass die Polizeibeamten zur Rechenschaft gezogen werden.« Damit dies geschehe, sei es »unumgänglich«, dass die Gesetzgeber von Wisconsin nach »Monaten der Untätigkeit« nun »endlich bedeutende Maßnahmen« ergriffen.

Die Bucks erlebten eine Welle der Solidarität, nicht nur aus der NBA. Die Basketball-Profiliga der Frauen sagte ebenfalls alle Partien am Mittwoch ab. Zuvor hatten Spielerinnen von sechs Teams weiße T-Shirts mit sieben aufgedruckten Einschusslöchern am Rücken angezogen und still auf dem Spielfeld protestiert. Auch die Profiligen im Baseball und Fußball zogen mit und sagten alle noch am Mittwoch anstehenden Spiele ab. Die Eishockeyliga NHL dagegen blamierte sich - sie spielte fast ungerührt weiter.

Der Boykott der NBA-Spieler sei »unvermeidlich« gewesen, analysierte der renommierte Autor William C. Rhoden auf dem Portal »The Undefeated«. Klar erscheint auch, was die Sportler bezwecken wollen. »Sie haben Einfluss, aber die Klubbesitzer haben politische Macht«, schrieb Rhoden. In der Tat sind die Profiklubs in Nordamerika ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, zumal in einer Stadt wie Milwaukee oder einem Bundesstaat wie Wisconsin. Streiken die Spieler, verlieren die Klubeigentümer, verliert die global aufgestellte Liga viel Geld.

Dennoch: Wie es weitergeht, ist unklar. Am Mittwochabend trafen sich die NBA-Spieler in der Blase in Disney World, um das weitere Vorgehen zu beraten. Ihre Glaubwürdigkeit, ihre Rolle als weltweite Vorbilder steht auf dem Spiel. Es heißt, die Los Angeles Lakers um ihren Superstar LeBron James und der Lokalrivale Clippers wollen in dieser Saison gar nicht mehr spielen. SID/nd

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