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Zentralrat warnt vor wachsendem Antisemitismus

Schuster: »Wenn im Jahr 2020 die Reichsflagge direkt vor dem Eingang des Deutschen Bundestages weht, dann läuft etwas falsch.«

  • Lesedauer: 2 Min.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland

Berlin. Der Zentralrat der Juden warnt nach den Protesten gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern in Berlin vor zunehmendem Antisemitismus. »Seit Monaten werden in der Corona-Debatte Verschwörungsmythen mit antisemitischer Grundtendenz bewusst geschürt«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der »Bild«-Zeitung. »Wenn zum Beispiel den Rothschilds die Verantwortung für die Pandemie zugeschoben wird, dann ist das ein Synonym für Juden.«

Schuster machte für die Entwicklung unter anderem »sehr rechte und rechtsextreme Gruppen« verantwortlich, die sich unter die Demonstranten gemischt hätten. Nicht alle, die am Wochenende in Berlin demonstriert hätten, seien Rassisten oder Antisemiten: »Aber sie machen sich mit diesen gemein.«

Der Präsident des Zentralrates appellierte an die Bundesbürger, dass sie »wissen müssen, mit wem sie mitlaufen oder wer mit ihnen mitläuft«. Die Menschen müssten wissen, »dass sie die Argumente von Antisemiten indirekt unterstützen, wenn sie sich an solchen Demonstrationen beteiligen«. Zu der rechtsextremen Eskalation am Reichstag sagte Schuster: »Wenn im Jahr 2020 die Reichsflagge direkt vor dem Eingang des Deutschen Bundestages weht, dann läuft etwas falsch.«

Handeln, bitte!
Daniel Lücking über die rechten Demos vor dem Bundestag

In Berlin hatte es am Wochenende mehrere Protestkundgebungen gegen die Corona-Politik der Regierung gegeben. Dabei eskalierte am Samstagabend die Lage vor dem Reichstag, dem Sitz des Bundestags: Hunderte Rechtsextreme stürmten die Treppe des Gebäudes. Die Eskalation löste allgemeines Entsetzen aus, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte die Ausschreitungen »verabscheuungswürdig«. AFP/nd

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