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Wirtschaftskrise trifft Marginalisierte hart

Regionaler Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit bei Erwachsenen sinkt, Hoffnungslosigkeit bei Jugendlichen steigt

In Berlin und Brandenburg ging die Arbeitslosigkeit im August zurück. Das geht aus dem am Dienstagvormittag veröffentlichten Arbeitsmarktbericht der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Laut Bericht waren im August 214 303 Berliner arbeitslos, 1002 weniger als noch im Juli. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,7 Prozent. In Brandenburg waren 86 065 Menschen ohne Arbeit, 1239 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,6 Prozent. Der Vergleich zum Vorjahresmonat zeigt in beiden Ländern trotzdem einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen: In Brandenburg stieg die Quote gegenüber 2019 um 0,8 Prozentpunkte, in Berlin sogar um 2,7 Prozentpunkte.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin-Brandenburg zeigt sich erleichtert über die Zahlen. »Es ist eine bisschen überraschend, dass die Arbeitslosigkeit leicht zurückgegangen ist, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Das ist erfreulich«, sagt deren Sprecher Carsten Brönstrup gegenüber »nd«. Für eine Entwarnung sei es allerdings noch zu früh.

»Alle Anstrengungen müssen weiter drauf gerichtet sein, die Arbeitslosigkeit zu senken«, erklärte Berlins Arbeits- und Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Zwar sehe es so aus, als ob die Arbeitslosigkeit zurückgehe, allerdings verringere die Kurzarbeit auch die Zahlen, so Nina Lepsius, Sprecherin des Bezirks Berlin-Brandenburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf nd-Anfrage.

Die Bundesagentur für Arbeit nennt vor allem den Ausbildungsmarkt 2020 eine »große Herausforderung«. Laut Monatsbericht stehen in Berlin 7000 Schulabgängern zwischen 15 und 25 Jahren nur 5060 Ausbildungsplätze gegenüber - 202 weniger als im Juli. Fürs Umland zeichnet die Agentur ein anderes Bild: Auf 4000 Jugendliche entfallen 4700 unbesetzte Lehrstellen - praktisch genauso viele wie im Vormonat.

Ein großes Problem sei, dass viele Jugendliche einen Ausbildungsplatz wollen, aber nicht bekommen - auch für die Betriebe sei das schwierig, erklärt Nina Lepsius vom DGB. Sie hält besonders in Berlin die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe für zu gering. »Wer Fachkräfte sucht, muss auch ausbilden«, fordert die Gewerkschafterin. In Berlin ging im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der Ausbildungsstellen um 14,3 Prozent zurück. »Das ist schon ein deutlicher Rückgang«, so Lepsius.

Die DGB-Frau hält die deutliche Reduzierung für kurzsichtig. »Eigentlich ist das nicht rational, weil die Unternehmen ein Eigeninteresse daran haben, neue Menschen einzustellen.« Sie glaubt zudem, dass zu den 7000 gemeldeten Ausbildungsplatzsuchenden in Berlin noch einige weitere Schulabgänger dazu kommen werden.

»Wir dürfen eine ganze Generation von Schulabgängern nicht auf der Straße stehen lassen!«, fordert Arbeitssenatorin Elke Breitenbach. Auch die Berliner Linken-Landeschefin Katina Schubert sorgt sich um die Zukunftsaussichten eines ganzen Jahrgangs: »Wir möchten nicht, dass Jugendliche zurückbleiben.«

In Brandenburg ist die Situation deutlich stabiler. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es im August 2020 gerade einmal 3,1 Prozent weniger gemeldete Berufsausbildungsstellen. Lepsius erklärt dazu: »Das geht immer so ungefähr auf, zumindest statistisch.«

Carsten Brönstrup von der Vereinigung der Unternehmerverbände beklagt hingegen das Ausbleiben von Vermittlungsmöglichkeiten: »Im März und April war es schwierig, Betriebe und Bewerber zusammenzubringen. Deshalb haben wir jetzt eine große Zahl offener Stellen«, erklärt er. Brönstrup appelliert an die Jugendlichen und ihre Eltern, sich umzuschauen. »Es gibt viele Anlaufstellen. Die Leute sollen sich kümmern und losziehen«, empfiehlt er allen Schulabgängern.

Linken-Landeschefin Katina Schubert erklärt, besonders getroffen von der Wirtschaftskrise seien Migranten und Geflüchtete, Unter-25-Jährige, Geringqualifizierte und Frauen. Die Zahlen der Arbeitsagentur sprechen eine ähnliche Sprache: 10,7 Prozent der Arbeitslosen sind jünger als 25 und 36,3 Prozent Ausländer.

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