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Das Reich erwacht!

Andreas Koristka ebnet der Monarchie den Weg

Am letzten Wochenende wehten die stolzen Fahnen des deutschen Reichs vor dem Bundestag. Ein paar Hundert Reichsbürger hatten sich aufgemacht, das Parlament zu stürmen. Angestachelt wurden sie von einer Rednerin mit Dreadlocks, einer Heilpraktikerin aus der Eifel, die offensichtlich unter dem Einfluss endogener Drogen und einer Überdosis Globuli stand. Man wollte Präsident Trump zeigen (diesen wähnte man in der Stadt), dass die deutsche Protestbewegung kurz vor dem Endsieg steht und bereit ist, den Handlangern der Impf- und Alltagsmaskendiktatur die verdiente Todesstrafe durch öffentliches Zertreten der Testikel zuteil kommen zu lassen.

Wie bekannt, scheiterte das Anliegen der Menge denkbar knapp. Letztendlich waren es nur drei Beamte und zwanzig Sicherheitsschleusen, die verhinderten, dass die Demonstranten die Weinvorräte in der Reichstagscafeteria plündern konnten. Trotzdem war es eine beeindruckende Demonstration der Stärke einer Bewegung, die bis vor Kurzem noch belächelt wurde wie jeder Träger eines Kaiser-Wilhelm-Bartes. Jetzt wäre es an der Zeit, dass Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen, seines Zeichens Ururenkel des Kaisers, das Zepter und den Reichsapfel an sich reißt und sich von den Reichsbürgern in Amt und Würden bringen lässt.

Leider ist der Mann ziemlich beschäftigt. Derzeit befindet er sich in komplizierten Verhandlungen mit der BRD GmbH über die Rückgabe von Kunstschätzen. Doch diese nervigen Angelegenheiten könnte er sich bald sparen, wenn er alles, was ein Adliger in Deutschland jemals auch nur angefasst hat, per Dekret in den Besitz des Hauses Hohenzollern übergehen lassen kann. Dann könnte wie nebenbei das Umzugsunternehmen vor Schloss Sanssouci vorfahren ...

So unwahrscheinlich wäre die Sache jedenfalls nicht. Bei der letzten Corona-Demonstration waren laut Teilnehmerangaben bereits drei Millionen Menschen, bald könnten es 80 Millionen sein. Dann wäre die Krönung seiner Majestät Georg Friedrich nur noch Formsache. Als erster Reichskanzler unter dem neuen Regenten empföhle sich selbstverständlich niemand anderes als Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg, der zukünftig der Einfachheit halber und aufgrund seiner jüngsten akademischen Erfolge nur noch mit »der Herr Doktor« angesprochen werden möchte.

Das dürfte die Aktien von Augustus Intelligence noch einmal ordentlich in die Höhe treiben. Wahrscheinlich bedauert Philipp Amthor schon jetzt seinen Ausstieg. Schwierigste Aufgabe der ersten Amtstage wird es sein, ein passendes Regierungsamt für Ursula von der Leyen und Alexander Graf Lambsdorff zu finden. Dann jedoch werden die Dinge wie von selbst laufen und im Sinne der Reichsbürgerbewegung. Als eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung dürfte nämlich die unsägliche Corona-Forschung sofort gestoppt werden. Die Wissenschaft wird sich wichtigeren Themen zuwenden - wie der Bekämpfung seltener, durch Inzucht begünstigter Erbkrankheiten. Der Epidemiologe Christian Drosten darf aber weiterhin spannende Themenabende bei Hofe halten, wo sich die Damen an seiner unaufgeregten und intelligenten Spitzbübigkeit erfreuen können.

Ob der von den Reichsbürgern so dringend geforderte Friedensvertrag zwischen Reich und Alliierten endlich unterzeichnet wird oder ob der Kaiser eine Fortführung der Kriegshandlungen favorisiert, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Allerdings ist der Herr Doktor mit allen nötigen Wassern, die aus edlen Armaturen tropften, gewaschen und wäre kriegsähnlichen Zuständen mit Russland oder Frankreich durchaus gewachsen.

Sage also niemand mehr, die Techniken von Heilpraktikern seien wirkungslos!

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