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Neues Leben im alten Lokschuppen des Karl-Marx-Werks

Fast schon verloren geglaubtes Potsdamer Baudenkmal soll rekonstruiert werden

  • Von Wilfried Neisse, Potsdam
  • Lesedauer: 2 Min.

Für ein technisches Denkmal scheint nach nunmehr 30 Jahren eine Lösung gefunden: Die Firma Paranet Deutschland will den sogenannten Lockschuppen in Potsdam-Babelsberg zeitnah erwerben und nach Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden um- und ausbauen. Darüber informierte Geschäftsführer Jürgen Wowra vor einigen Tagen.

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Versuche, das brachliegende Gelände zu privatisieren, auch Paranet hatte mehrfach diesbezügliche Pläne verlauten lassen. Wowra kündigte nun eine künftige Mischnutzung an, mit zunächst 500 Arbeitsplätzen und schließlich 800 Jobs nach dem Ausbau. Paranet produziert Traglufthallen, die binnen weniger Tage errichtet werden und große Flächen überdecken können. Als im Winter 2015/2016 herum eine Million Flüchtlinge Deutschland erreichten, seien 200 000 von ihnen in solchen Hallen provisorisch untergekommen, so Wowra.

Mit dem geplanten Kauf des Lockschuppens, der auf dem Gelände des einstigen Potsdamer Karl-Marx-Werkes steht, soll ein Baudenkmal saniert und vor dem Verfall bewahrt werden, erklärte der Geschäftsführer. Seit Jahrzehnten steht das Gebäude leer, war dem Verfall preisgegeben und im Grunde schon aufgegeben. Das riesige, um 1900 errichtete Rondell, das wegen seiner kreisrunden Kuppel von den Arbeitern einst auch »Zirkus« genannt wurde, überragt heute noch das Industriegelände von Potsdam-Babelsberg und ist eines der wenigen Gebäude, die von dem einstigen Karl-Marx-Werk noch stehen. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Lokomotiven gebaut, eine Tradition, die nach der Befreiung vom Faschismus noch bis 1976 fortgesetzt wurde. In den letzten Jahren des Karl-Marx-Werkes wurden an diesem Ort Spezialfahrzeuge aus dem Ludwigsfelder Lkw-Werk ausgerüstet, dem Vernehmen nach auch für militärischen Gebrauch.

Geschäftsführer Wowra sprach von einer Zukunft als Büro- und Hotelkomplex mit Tiefgarage. Die äußere Form und die mächtige Kuppel sollen erhalten bleiben, innen werde das beeindruckende Gebäude allerdings der neuen Nutzung angepasst: »Das wird ganz toll werden.«

Genutzt wurde die leer stehende und marode Halle zuletzt nur noch als Filmkulisse - so etwa 2007 für eine spektakuläre Schießerei im Politthriller »The International« von Tom Tykwer: Handwerker von Studio Babelsberg bauten im Lokzirkus damals das New Yorker Guggenheim-Museum nach. Mit dem einstigen Reichsbahn-Ausbesserungswerk wartet in Potsdam noch ein zweites bedeutendes technisches Denkmal auf einen Investor.

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