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Griechische Blaupause

Uwe Kalbe zum System hinter dem Schicksal der Moria-Flüchtlinge

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 1 Min.

Am Donnerstag waren über 3000 Menschen aus dem Lager Moria von Sicherheitskräften ins provisorische Ausweichlager gelotst. Dass die da nicht hinwollen, ist nachvollziehbar. Weil sie befürchten, im Lager eingesperrt zu bleiben, von dem sie nur wissen, dass es auch dort keine Duschen gibt - wie auf der Straße, auf der sie seit dem Feuer leben. Weil sie nicht heraus und Anwälte nicht ins Lager hineinkönnen, weil sie keinerlei Informationen erhalten, keine Hilfen bei ihrem Asylantrag, bei dem es auf wichtige rechtliche Details ankommt, wenn man eine Chance haben will. Weil zu allem Notstand das Ausgeliefertsein hinzukommt.

Begleitet von unzähligen Betroffenheitsbekundungen vollzieht sich das Drama also weiter - inzwischen leicht gemildert durch Sachspenden der EU-Länder. Schöne Ausrede: Die Griechen wollen das Problem ja selbst lösen ... Tatsächlich exerziert Griechenland jetzt vor aller Augen, was die EU sich unter »geordneten Verfahren« vorstellt. Kaum Aussichten auf Erlangung eines Schutzstatus’, vor Abschluss des Verfahrens aber keine Überstellung in andere EU-Länder. Es ist die Blaupause für jenes gemeinsame Asylsystem, das Ursula von der Leyen am Mittwoch andeutete und das Deutschland schon so lange anstrebt. Entlang der EU-Außengrenzen.

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