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Aborigines

Mehr als Jäger und Sammler

Im Norden Australiens haben Forscher Bananenfarmen entdeckt, die einst von den indigenen Völkern Australiens kultiviert wurden. Von Barbara Barkhausen

Von Barbara Barkhausen

Bananen schmeckten den Menschen auch vor über 2000 Jahren schon. Dies ist eine der Erkenntnisse, die sich von dem Fund ableiten lässt, den australische Archäologen jetzt auf einer Insel im Norden des Landes machten. Auf Mabuyag Island, einem winzigen Eiland in der Torres-Straße zwischen Nordaustralien und Neuguinea, stießen sie auf uralte Bananenplantagen, die die lokalen Aborigines dort vor rund 2145 Jahren kultiviert hatten. Neben Bananenmikrofossilien entdeckten die Teams der australischen Nationaluniversität in Canberra sowie der Universität in Sydney auch Stein- und Muschelarrangements, Holzkohle, Felsmalereien und eine Reihe von Stützmauern.

Die Bananenplantagen stellen aber auch die australische Geschichtsschreibung auf den Kopf: Denn sie beweisen, dass die Aborigines keineswegs nur Jäger und Sammler waren und einen nomadischen Lebensstil führten. Letzteres nahm der britische Seefahrer James Cook im 18. Jahrhundert als »Entschuldigung«, um Australien als »Terra Nullius« für die britische Krone in Anspruch zu nehmen. Die Aborigines seien nicht die rechtmäßigen Besitzer des Landes, behaupteten die Briten damals, denn sie hätten keine festen Behausungen und kein kultiviertes Land.

Der aktuelle Fund widerlegt jedoch nicht nur diese Behauptung. Er räumt auch mit anderen Missverständnissen und Irrtümern auf. »Die Torres-Straße wurde historisch als Trennlinie zwischen indigenen Gruppen angesehen, die in Neuguinea Landwirtschaft betrieben, in Australien jedoch Jäger und Sammler waren«, sagte Robert Williams, der die Studie leitete, die im Fachmagazin »Nature Ecology & Evolution« veröffentlicht wurde. Auf Mabuyag habe es jedoch schon vor über 2000 Jahren komplexe und vielfältige Anbau- und Gartenbaupraktiken gegeben.

»Die Torres-Straße war also keine Barriere, sondern eher eine Brücke oder ein Filter kultureller und gartenbaulicher Praktiken, sowohl nach Norden als auch nach Süden«, erklärte der Forscher, der selbst indigener Abstammung ist. »Die Bananensorte, die wir auf Mabuyag gefunden haben, war früher bereits in Neuguinea aufgetaucht, einem Zentrum der Domestizierung von Bananen.«

Die Wissenschaftler konnten zudem Rückschlüsse auf die Ernährung der Ureinwohner vor über 2000 Jahren schließen. Neben Bananen, Yamswurzeln und Taro hätten auch wichtige Fett- und Eiweißlieferanten wie Fisch, Dugong (eine Art der Seekühe) und Schildkröte dazu gehört, erklärte Williams.

Williams hofft, dass die Forschung auch auf Interesse bei den Ureinwohnern selbst stößt, zum Beispiel alte Essenstraditionen wieder zu neuem Leben erweckt. Vor allem will der indigene Forscher jedoch erreichen, dass seine Landsleute mit Stolz auf ihre Vorfahren zurückblicken. Denn die Forschung sei ein »klarer Beweis« für die »Vielfalt und Komplexität des frühen Gartenbaus in der westlichen Torres-Straße«, betonte er.

Dass die australischen Ureinwohner nicht so nomadisch lebten, wie man dies früher vermutete, zeigten bereits Forschungsergebnisse der Universität von Queensland aus dem Jahr 2007. Diese untersuchte die unterschiedlichen Behausungen der Aborigines, die deutlich permanenter waren, als die frühen europäischen Seefahrer dies behaupteten. Paul Memmott, der an der damaligen Studie beteiligt war, erklärte im Interview mit der australischen Tageszeitung »Sydney Morning Herald«, dass es sogar verschiedene Stilrichtungen unter den indigenen Bauten gegeben hätte - abhängig vom jeweiligen Klima der Region.

»In der Regenwaldregion in Cairns im nördlichen Queensland, wo es über längere Zeit im Jahr heftige Regenschauer gab, bauten die Menschen kuppelartige Bauten aus einheimischem Zuckerrohr mit einem Dach aus Palmenblättern«, erklärte Memmott. Im deutlich kälteren Tasmanien hätten die Behausungen dagegen mehrere Schichten und eine Isolierung gehabt und im Bundesstaat Victoria seien die Häuser deutlich »klassischer« gewesen - mit runden, etwa ein Meter hohen Steinmauern, auf denen ein Kuppeldach ruhte.

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