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Von der Aymara-Kultur bis Peter Pan

Die Cholets in El Alto sind zur touristischen Attraktion geworden. Nun sollen die Schönsten jährlich ausgezeichnet werden. Von Knut Henkel

Von Knut Henkel

Nelson Zanga kann seine Freude nicht verbergen. »Mit dem Wettbewerb um das schönste Cholet versucht die Stadtverwaltung El Alto aufzuwerten. Die Stadt soll attraktiver werden - auch für Touristen«, meint der Künstler. »Inticholet« heißt der Wettbewerb, zu dem 2019 erstmals acht der charakteristischen Bauten aus Boliviens Boomtown ausgewählt wurden. Die Millionenstadt El Alto, erst vor 35 Jahren gegründet, thront über dem in einem Talkessel liegenden La Paz und galt lange als dessen schmutziger und staubiger Nachbar.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn die auf einer staubigen, weitgehend baumlosen Hochebene liegende Stadt ist nicht nur Handelsdrehscheibe, sondern auch Industriestandort. »Die Cholets sind ein Ausdruck dieses Aufschwungs und des wachsenden Selbstbewusstseins der Alteños«, meint Zanga, der unten in La Paz studiert und oben in El Alto lebt und arbeitet. Er ist Künstler und Theatermacher am Kulturzentrum Compa, aber hin und wieder auch als Wandmaler engagiert.

Zanga mag die Cholets, die nicht nur im lebhaften Stadtzentrum um die Ceja mit dem großen Markt zu finden sind, sondern mehr und mehr auch in den weiter entfernt liegenden Stadtbezirken wie Villa Dolores oder Corea mit dem gleichnamigen Krankenhaus.

Die acht populärsten dieser Gebäude hat die Stadtverwaltung in einem Wettbewerb ermitteln lassen, der anlässlich der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen vom Oktober 2019 jedoch vorübergehend ausgesetzt wurde. Damals richteten sich die Demonstrationen und Straßenblockaden gegen die noch amtierende Regierung unter Morales, der Wahlbetrug vorgeworfen wurde. Spätestens mit dem Rücktritt von Morales kam es zu Gegenprotesten der Anhänger der »Bewegung zum Sozialismus«. Bis heute ist unklar, in welchem Umfang Wählerlisten manipuliert wurden. Dass es dazu kam, ist durch Beweise von Analysten wie dem Soziologen Marco Antonio Gandarillas belegt.

Zum eindrucksvollsten Cholet kürte die Jury danach schließlich das Hotel B&B Havana. Der bei der Stadtverwaltung für Tourismus verantwortliche Hidelberto Márquez kündigt an: »Jedes Jahr werden wir nun die herausragenden Cholets sichten und prämieren, denn sie gehören zur kulturellen Identität El Altos.« Zu den acht in die Endauswahl gelangten Gebäude gehörte auch eines der ältesten: Neverland, das Haus von Édgar Manuel Mendoza, welches eine Hommage an die Märchenfigur Peter Pan ist und wenig mit den Symbolen indigener Identität zu tun hat, für die Architekten wie Freddy Mamani stehen. »Die Leute nominieren, was ihnen gefällt«, so Nelson Zanga. »Das kann ein durch Comics oder auch Musikstars inspiriertes Gebäude sein, aber eben auch eines, welches die indigene Mythologie thematisiert.«

Die Verwaltung möchte Besuchern die unterschiedlichen Facetten der jungen Stadt näherbringen. Dazu gehören neben den Cholets auch die populären Wrestling-Events der Cholitas Luchadores, der weiblichen Wrestling-Stars, die in traditioneller Aymara-Tracht in den Ring steigen. Auch sie stehen für ein neues indigenes Selbstbewusstsein.

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