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Laut und selbstbestimmt

In Berlin protestierten Tausende gegen den »Marsch für das Leben« und für sexuelle Selbstbestimmung

  • Von Josefine Körmeling
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie jedes Jahr versammelten sich am Samstag christliche Fundamentalist*innen und rechte Gruppen zum »Marsch für das Leben« in Berlin. Laut Angaben des Veranstalters »Bundesverband Lebensrecht« hätten sich mehr als 3000 Menschen vor dem Brandenburger Tor eingefunden, um gegen Schwangerschaftsabbrüche zu demonstrieren. Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und weitere feministischen Gruppen mobilisierten Gegenproteste.

Es sind Menschen in »Jesus liebt dich«-Shirts, bürgerliche Familien, Nonnen und einige bekannte Nazis und Nationalisten, die sich auf der Straße des 17. Juni versammelt haben. Darunter die AfD-Politikerin Beatrix von Storch; Auch ihre Partei hatte zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. Mit grünen Luftballons und Schildern mit Sprüchen wie »Ungeborene Leben sind keine Rohstoffe« hören die Menschen der Auftaktkundgebung zu. Sie applaudieren laut zur Gleichsetzung von Schwangerschaftsabbrüchen und geschredderten Küken in der Massentierhaltung.

Seit 2002 findet die Demonstration statt und zieht jedes Jahr im September Tausende Menschen aus ganz Deutschland nach Berlin. Die erwarteten 5000 Teilnehmenden wurden dieses Jahr jedoch nicht erreicht.

Von der anderen Seite des Brandenburger Tors schallten hingegen laute Musik und Protestrufe zu den Abtreibungsgegner*innen: Auf dem Pariser Platz fand der Gegenprotest des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung statt. Das Motto der Veranstaltung: »Leben. Lieben. Selbstbestimmt.« Das Bündnis organisiert bereits im neunten Jahr in Folge Gegenveranstaltungen zum »Marsch für das Leben«, um sich für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und bunte Lebensentwürfe einzusetzen. So waren auch dieses Jahr Regenbogenflaggen und bunt bemalte Transparente zu sehen. Auf dem Podium wurde die Abschaffung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch gefordert. Seit fast 150 Jahren werden Schwangerschaftsabbrüche durch diesen Paragrafen kriminalisiert.

Neben der Kundgebung am Pariser Platz mit rund 1000 Teilnehmenden kam es zu weiteren Protestaktionen gegen den christlich-fundamentalistischen Aufmarsch. Das queerfeministische Bündnis »What the Fuck« organisierte mehrere Kundgebungen und gut 300 Menschen liefen in einer Demonstration, organisiert von der Gruppe »Queerpferdchen«, am Nachmittag durch Berlin-Mitte.

Der eher leise »Marsch für das Leben« entlang der Friedrichstraße und bis zum Potsdamer Platz blieb also nicht unbegleitet: In jeder Querstraße standen kleine Gruppen von Aktivist*innen und protestieren gegen die Veranstaltung. »My Body, my Choice – Raise your Voice«, hallte es die Friedrichstraße entlang. Die Marschierenden gaben sich größtenteils unbeeindruckt, Einzelne hielten ihre braunen Kreuze in Richtung der Aktivist*innen. Zeitweise sind Vergleiche von Schwangerschaftsabbrüchen mit dem Holocaust zu hören. Ein Mann ruft zwei jungen Frauen am Rande des Demonstrationszuges entgegen: »Dein Körper gehört Gott. Kehr um.« Die Aktivistin, der die Rufe gelten, protestiert weiter. Sie bleibe für die Selbstbestimmung hier stehen, sagt sie. Eine Abtreibung sei immer eine schwierige Entscheidung, erklärt sie. »Die darf nicht auch noch kriminalisiert werden.«

Die Stimmung rund um die Demo bleibt aufgeheizt. Auch, weil Gegendemonstrant*innen von der Polizei immer wieder zurückgedrängt werden. Es kommt zu Verhaftungen, insgesamt seien die Veranstaltungen jedoch friedlich verlaufen, so die Polizei. Auf Twitter schreibt das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, zahlreiche Teilnehmer*innen seien nicht zur Veranstaltung durchgekommen. Das Bündnis hat angekündigt, offizielle Beschwerde bei der Polizei Berlin einzureichen.

Auch in der kommenden Woche werden Aktionen der Pro-Choice-Bewegung erwartet. Unter dem Motto »Schwangerschaftsabbruch ist Grundversorgung: Egal wo. Egal wer. Egal warum« werden bis zum internationalen »Safe Abortion Day« am 28. September bundesweit Proteste und Kundgebungen stattfinden.

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