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Insiderhandel bei Union Investment

Finanzskandal im Genossenschaftsbankensektor: Bafin prüft Kontrollstrukturen

Die Fondsgesellschaft Union Investment wird gerade von einem handfesten Finanzskandal erschüttert. Ein prominenter Fondsmanager soll sich in großem Stil mittels verbotener Insidergeschäfte bereichert haben. Von neun Millionen Euro ist die Rede. Der Verdächtige soll dabei im Wissen über bevorstehende Handelsaufträge der Gesellschaft private Transaktionen vorgenommen haben. In der Finanzwelt bezeichnet man ein solches Vorgehen als »Frontrunning«.

Den Brokern, über die der Manager seine Geschäfte abwickelte, müssen diese Praktiken irgendwann aufgefallen sein. Jedenfalls zeigten diese den Fall bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) an, die dann Ende August die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main einschaltete. Vor wenigen Tagen wurden dann die Büros der Union Investment und das Privathaus des Fondsmanagers durchsucht. Gegenwärtig sitzt dieser wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft.

Als Insider im Finanzbereich gilt, wer in seinem Job öffentlich nicht zugängliche Informationen über börsennotierte Unternehmen erhält, die sich erheblich auf den Aktienkurs auswirken können. Auf Fondsmanager trifft dies in besonderem Maße zu, da sie regelmäßig mit Unternehmensvertretern sprechen und über bevorstehende Aufträge ihrer Fondsgesellschaft informiert sind. Weil Aktiengeschäfte, die solches Insiderwissen ausnutzen, die Grundlagen des Börsenhandels unterminieren, sind sie verboten und werden mit Geldstrafe oder einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren belegt.

Tatsächlich handelt es sich bei Insidergeschäften um kein allzu weit verbreitetes Phänomen. So hat die Bafin beispielsweise im Jahr 2018 insgesamt 71 neue Verfahren eröffnet. Ein prominenter Fall der jüngeren Zeit betraf Carsten Kengeter, den früheren Chef der Deutschen Börse. Er hatte sein Wissen über Fusionsverhandlungen mit der Londoner Börse für Aktienspekulationen genutzt. Sein Verfahren wurde gegen Zahlung von 4,7 Millionen Euro eingestellt. Eine gewisse Brisanz kommt auch dem aktuellen Fall zu, denn bei dem Verdächtigen soll es sich um einen »Star-Fondsmanager« handeln, der über Jahre hinweg »herausragende« Ergebnisse erzielt hatte und bei Union Investment intern hohes Ansehen genoss. Die Fondsgesellschaft der deutschen Genossenschaftsbanken verwaltet rund 360 Milliarden Euro.

Weit verbreitete Absahner-Mentalität in der Oberschicht ist kein neues Phänomen. Bereits vor mehr als 100 Jahren erklärte der US-Sozialforscher Thorstein Veblen: »In jeder Gesellschaft, die das Privateigentum kennt, muss der Einzelne im Interesse seines inneren Friedens mindestens ebenso viel besitzen wie jene, mit denen er sich auf dieselbe Stufe stellt; und es ist außerordentlich wohltuend, etwas mehr zu haben als die anderen.« Auch Karl Marx schrieb dereinst: »Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden: 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, was es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.«

An neueren Studien sticht die des britischen Neurowissenschaftlers John Coates hervor. Der ehemalige Wall-Street-Derivatehändler wies nach, dass bei steigenden Gewinnen der Testosterongehalt im Blut zunimmt, Händler werden dann wahnhaft und euphorisch. Seine wissenschaftliche Laufbahn soll Coates eingeschlagen haben, um herauszufinden, was Geld, Macht und Gier alles bei ihm angerichtet hatten.

Der Bafin geht es mehr um strukturelle Verfehlungen. Die Finanzaufsichtsbehörde prüft, ob die internen Kontrollen zur Vermeidung von Insiderhandel bei Union Investment unzureichend waren. Mitarbeiter in besonderen Vertraulichkeitsbereichen müssen gegenüber einer zentralen Stelle im Unternehmen offenbaren, bei welchen Banken sie persönliche Wertpapierdepots haben und welche Geschäfte sie auf eigene Rechnung abschließen.

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