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Zurück in die Bahn-Zukunft

Verkehrsminister Scheuer plant Revival der Trans-Europ-Express-Züge

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 3 Min.

Es klingt spektakulär, und anders geht es wohl auch nicht, wenn ein Vorschlag von Verkehrsminister Andreas Scheuer kommt. Der CSU-Politiker hat am Montag vor dem virtuellen EU-Schienengipfel mit seinen Amtskollegen, Vertretern der Europäischen Kommission und der Eisenbahnunternehmen ein Konzept für die Einführung länderübergreifender Zugverbindungen präsentiert. Diese sollen unter einem berühmten Label laufen: »Trans-Europ-Express«, kurz TEE. Züge dieses Namens gab es schon einmal - seit den 1950er Jahren rollten sie jahrzehntelang durch Westeuropa.

Das Projekt »TEE 2.0« setzt, erläuterte Scheuer in Berlin, auf »auf attraktive, schnelle und durchgehende Fernverkehre über Grenzen hinweg«. Dafür sollten bestehende Zugverbindungen besser miteinander verknüpft werden. »Unser Konzept wird die Grundlage sein, auf der die Unternehmen mit Hochgeschwindigkeitszügen und Nachtzügen attraktive Verbindungen fahren können«, sagte der Minister. Zugleich betonte er, diese müssten wirtschaftlich sein.

Einige direkte Verbindungen lassen sich nach Angaben von Scheuer kurzfristig umsetzen, bei anderen Strecken sei neue Infrastruktur erforderlich wie beispielsweise der Fehmarnbelt-Tunnel. Gegen das dänisch-deutsche Infrastrukturprojekt kämpfen allerdings seit vielen Jahren Bürgerinitiativen und Umweltverbände.

»Wir wollen mit der Bahn besser durch Europa«, sagte Scheuer. Die Modernisierung des europäischen Schienenverkehrs sei »ein wichtiger Hebel«, um die Klimaziele der EU zu erreichen. Für viele Menschen sei der historische Trans-Europ-Express ein Begriff für »hochwertige internationale Züge durch Westeuropa aus der Vergangenheit«, sagte Scheuer. Die TEE-Züge wurden nach Angaben der Deutsche-Bahn-Stiftung zu Zeiten des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren ins Leben gerufen, als Auto und Flugzeug der Bahn bereits starke Konkurrenz machten.

Die TEE-Schnellzüge waren allerdings schon damals wohlhabenderen Reisenden vorbehalten. Sie hatten ausschließlich komfortable Wagen der 1. Klasse. Abgelöst wurden sie 1987 durch den Eurocity.

Ohne nennenswerte Infrastrukturmaßnahmen lassen sich nach Einschätzung von Scheuer schnellere Verbindungen etwa von Amsterdam über Köln und Frankfurt am Main nach Basel und dann weiter nach Rom in rund dreizehneinhalb Stunden oder von Berlin über Frankfurt und Lyon nach Barcelona in 13 Stunden verwirklichen. Auch eine schnelle Verbindung zwischen Paris und Warschau ließe sich zügig herstellen.

»Wir setzen uns dafür ein, dass grenzüberschreitend gefahren werden kann«, betonte Scheuer. Noch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft solle dafür eine Absichtserklärung unterzeichnet werden. Ein Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugangebot könne »bis 2025 stehen«. Scheuer forderte erneut EU-Förderprogramme für das Projekt.

Die Grünen mahnten, den Ankündigungen müssten nun auch konkrete Maßnahmen folgen. »Die Länder Europas haben mit ihren oftmals sehr dichten Eisenbahnnetzen wahre Schätze, die für die Klimapolitik endlich besser verknüpft werden müssen«, erklärte der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel. Nun müssten die Investitionen in den Ausbau des europäischen Schienennetzes massiv erhöht werden.

Zudem müsse Europa »endlich für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern sorgen«, forderte Gastel. Angesichts der Klimakrise sei die Subventionierung von Kerosin für den Flugverkehr und der Verzicht auf die Mehrwertsteuer bei internationalen Flügen ein »nicht länger haltbarer klimapolitischer Missstand«. Nur mit fairen Wettbewerbsbedingungen habe der Schienenverkehr eine Chance.

Auch der Verkehrsclub VCD forderte »mehr als Lippenbekenntnisse«. Brüssel solle »Schnell- und Nachtzugverbindungen durch ganz Europa ausschreiben und endlich ein einfaches EU-weites Buchungssystem für Tickets schaffen«, verlangte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok. Mit Agenturen

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