Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Signa macht Druck für Büroturm am Alex

Immobilienkonzern will Genehmigung für umstrittenes Projekt durchpeitschen

Am Ende macht Reiner Müller ordentlich Druck. »Im Dezember wollen wir den Bauantrag einreichen. Im Sommer sollen am Warenhaus die Abbrucharbeiten beginnen. Sie kennen unseren Zeitplan«, sagt der Projektverantwortliche für den Kaufhof-Standort am Alexanderplatz. Der Immobilienkonzern Signa des österreichischen Milliardärs René Benko will an der Karl-Liebknecht-Straße einen Büroturm an das Warenhaus anbauen. Müller sagte das am Montagnachmittag zu Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (parteilos, für Linke). Das Baukollegium hatte über das Projekt beraten. Am 26. Oktober wird es das wohl wieder tun.

Formal ging es bei dem Termin nur um die Fassadengestaltung, doch auch weitere Auswirkungen sind Thema. Zum Beispiel der von derzeit 24 Meter Breite auf künftig 5,80 Meter geschrumpfte Bürgersteig an der Karl-Liebknecht-Straße. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) wünscht sich Kolonnaden, um den Flächenverlust zumindest etwas zu kompensieren. Stararchitekt Jan Kleihues, der den Büroturm entwirft, warnte davor, dass dem Gebäude 500 Quadratmeter Nutzfläche verloren gehen würden. Implizit weist er also darauf hin, dass für Signa der Erlös um Millionen Euro niedriger ausfallen könnte.

42 000 Quadratmeter Geschossfläche sollen in dem Hochhaus unterkommen. Ohne weitere Aufbauten darf es maximal 134 Meter hoch werden, bescheidet das Baukollegium. Die Kolonnaden würden nicht gebraucht, zur Karl-Liebknecht-Straße sollen einzelne kleine Läden mit separaten Eingängen die Front bestimmen. »Wir haben kontrovers diskutiert über die Integration des Hochhausleitbilds«, berichtet Architekt Kees Christiaanse, der Mitglied des Kollegiums ist. Es sieht unter anderem öffentlich zugängliche Flächen an der Turmspitze vor. Stattdessen soll nun das deutlich niedrigere, aber größere Warenhausdach eine »Terrasse, eine attraktive öffentlichen Fläche« erhalten.

Damit würde Signa mit fast allen Wünschen durchkommen. Das Projekt ist Teil der äußerst umstrittenen Absichtserklärung, die der rot-rot-grüne Senat mit dem Konzern, dem auch die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört, Anfang August geschlossen hat. Einfach gesagt erklärt der Senat Signa damit, dem Konzern bei großen Bauprojekten auf Warenhausflächen am Alexanderplatz, am Hermannplatz und am Kurfürstendamm großzügig entgegenzukommen. Der Konzern sicherte damals den Erhalt mehrerer Kaufhäuser, die geschlossen hätten werden sollen, zumindest für einige Jahre zu.

Das Baukollegium lehnte im Dezember die Hochhauspläne von Signa am Kurfürstendamm ab, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg tat dies am Hermannplatz. Nun steht wieder alles auf Anfang.

»Gerade nach diesem inakzeptablen Deal muss man darauf beharren, dass die Projekte als ein Paket behandelt werden. Man kann nicht anfangen, einzelne Bauwünsche herauszugreifen, bevor man weiß, was aus dem Gesamtpaket wird«, sagt Katalin Gennburg zu »nd«. Sie ist stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Sie ärgert sich, dass vom Hochhausleitbild abgewichen wird. »Wenn man sich vor Augen hält, dass Hochhausprojekte enorm renditeträchtig sind, müssen sie einen erkennbaren Beitrag für das Gemeinwohl leisten«, so Gennburg. Die 250 Quadratmeter Fläche, die Signa gegen Zahlung nur der Betriebskosten zur Verfügung stellen will, reichten nicht aus.

Ein »bisschen lächerlich« nennt diese Fläche auch Daniela Billig, Stadtentwicklungsexpertin der Grünen, zu »nd«. »Ich zweifele an diesen Projekten, wenn ich höre, was andere Investoren machen«, sagt sie. »Hochhäuser über 60 Meter sind ihnen angesichts der Unsicherheiten zu haarig, aber Signa will gleich fünf davon bauen.« Außerdem wünscht sie sich Wohnungen in dem Bau, wie sie der in Erarbeitung befindliche neue Bebauungsplan vorsieht. »Wir lassen uns nicht unter Druck setzen«, kündigt sie an. Die mit dem Senat geschlossene Absichtserklärung sei »hinreichend allgemein formuliert. Das entbindet uns nicht von regulären Planungsverfahren.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln