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Dem Virus und der Kälte ausgesetzt

Für obdachlose Menschen wird die herannahende kalte Jahreszeit unter Corona-Bedingungen hart

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wir brauchen mehr Plätze, und wir brauchen mehr Geld«. Deutlicher als Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) kann man es eigentlich nicht sagen. Bei einer Online-Diskussion zur Lage der Kältehilfe für obdachlose Menschen in der Hauptstadt fand die Senatorin, die für ihr Engagement auf diesem Gebiet bekannt ist, klare Worte. Auch andere Akteure ließen keinen Zweifel daran, dass es angesichts der kommenden kalten Monate höchste Zeit ist, um das Thema verstärkt und vor allem praktisch und problemorientiert zu diskutieren.

Die Debatte, an der sich neben Breitenbach und ihren Mitdiskutanten Jens Aldag und Sabrina Niemetz von der Kältehilfe-Koordination auch viele aktive Haupt- und Ehrenamtliche aus der Obdachlosenhilfe beteiligten, zeigte vor allem eins: Dass diese Angelegenheit absolut drängt, scheint nicht bei allen beteiligten Akteuren angekommen zu sein. Dabei sprechen die Erfahrungen seit dem Lockdown Mitte März für sich: »Ich war geschockt, als es am 29. Februar hieß, wir müssen jetzt Einrichtungen schließen«, erinnert sich Aldag. Die Plätze in den Notübernachtungen mussten reduziert werden, um Abstandsregelungen einzuhalten. Möglichkeiten zum Duschen und Kleidungswechsel gab es nur noch stark eingeschränkt, Suppenküchen und Lebensmittel-Ausgabestellen der Tafel mussten schließen, Angebote in Tagesstätten wurden zurückgefahren. Selbst die medizinische Versorgung konnte nicht mehr in vollem Umfang durchgeführt werden, weil es - wie an vielen anderen Stellen auch - an Schutzkleidung fehlte.

»Es gab einen heftigen Bruch«, versucht Aldag die Zeit zu beschreiben. Aufgefangen wurde dies durch »eine engagierte Stadtgesellschaft«. Essen wurde ehrenamtlich mit Lastenrädern ausgefahren, Gabenzäune wurden initiiert. Seitens der Kältehilfe habe man versucht, die Informationen zu geänderten Unterstützungsangeboten auf allen möglichen Wegen an die Betroffenen weiterzugeben. Nicht zuletzt haben die drei Unterkünfte, die die Senatsverwaltung für Soziales zusammen mit Trägern und Bezirken eingerichtet hatte, geholfen, den Notstand zu bewältigen. Darunter ein Wohnheim, das 24 Stunden am Tag an sieben Tage in der Woche geöffnet ist, eine Quarantänestation, eine Frauennotübernachtung sowie frauenspezifische Plätze in gemischten Einrichtungen.

Diese Standorte müsse man unbedingt sichern, sagt Sabrina Niemetz. Ob das gelingt, wird mit dem Nachtragshaushalt des Senats Ende Oktober entschieden - vorbehaltlich dessen stünden ab dem 1. November 1100 Plätze zur Verfügung, so die Sozialsenatorin. Durch die coronabedingte Reduktion der Plätze können die Häuser jedoch nicht voll belegt werden - »damit fehlt die Berechnungsgrundlage«, so Breitenbach. Das Geld ist beantragt, aber ob es reicht und für wie viele Menschen Platz ist, ist unklar.

Kirsten Grobe-Prieß vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf fordert, dass die Bezirke, die für die Unterbringung obdachloser Menschen zuständig sind, diese Aufgabe besser wahrnehmen. Auch die zuständigen Gesundheitsämter müssten kooperativer werden, kritisiert Niemetz von der Kältehilfe Koordination. Diese erteilten zum Teil sehr strenge Auflagen beim Infektionsschutz. Die entstehenden Mehrkosten seien durch die 17,10 Euro pro Person und Tag, die der Kältehilfe zur Verfügung stehen, nicht gedeckt. »Wir haben hier viel Planungsunsicherheit«, so Niemetz. Große Sorge bereitet ihr auch die absehbare Verringerung der Indoor-Tagesangebote um bis zu 80 Prozent.

Vieles muss geklärt werden - Gelegenheit bietet die vierte Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe am kommenden Mittwoch.

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