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Als ob es keinen Winter gäbe

Meine Sicht: Claudia Krieg fordert mehr Corona- Sensibilität für Obdachlose

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Es klingt bitter, was ein Teilnehmer der Diskussion zur Lage der Kältehilfe in Pandemiezeiten bekundete: Seitens des zuständigen Bezirksamts - in dem Fall Pankow - habe es offensichtlich kein Interesse an einer gemeinsamen Auswertung und Planung für den kommenden Herbst und Winter gegeben. Und das eine Woche, bevor die Kältehilfe offiziell startet.

Aber so klar, wie die Bezirke für diese zuständig sind, dürfte es auch sein, dass sich weder die Corona-Pandemie noch die kalte Jahreszeit plötzlich von selbst erledigen. Es gehört nicht viel fachliche Expertise dazu, sich auszumalen, dass sich die ohnehin zu geringe Zahl von bedarfsgerechten Plätzen für Notübernachtungen angesichts der Eindämmungsauflagen und Abstandsregeln noch einmal reduziert. Und dass für die fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten Alternativen geschaffen werden müssen. Niemand kann sich darauf verlassen, dass es ein milder Winter wird. Oder dass wie in diesem ersten Corona-Frühling wochenlanger Sonnenschein verhindert, dass es obdachlose Menschen besonders hart trifft, wenn die Möglichkeiten zum Aufenthalt in öffentlichen Gebäuden oder sonst zum Aufwärmen fehlen. Im Frühjahr gab es Aufrufe, leere Hotels und Ferienwohnungen zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht für alle Betroffenen bedarfsgerecht, das ist nicht zu bestreiten. Für manche hingegen schon. Allein die Möglichkeit, einen eigenen Raum zur Verfügung zu haben, hilft vielen aus der Not, das betonen Engagierte wie auch Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) immer wieder. Oder anders gesagt: Wohnen ist ein Menschenrecht. Ferienwohnungen leerstehen zu lassen dagegen nicht. Fehlt es in manchen Bezirksverwaltungen an Kreativität, an Sensibilität für obdachlose Menschen, an beidem gar? Es geht immer auch ums Geld, das ist klar. Aber zuerst muss es um Menschenleben gehen - und da braucht es dann eben auch mal unkonventionelle Lösungen.

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