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Universitäre Porzellankiste

Hochschulen starten mit dreistufigem Sicherheitsplan ins Wintersemester

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Mehrzahl der Berliner Studierenden wird auch im kommenden Semester außerhalb der Hörsäle lernen müssen.
Die Mehrzahl der Berliner Studierenden wird auch im kommenden Semester außerhalb der Hörsäle lernen müssen.

Berlins Hochschulen wollen zum Wintersemester zurück in den Präsenzbetrieb. Zumindest soll den rund 190 000 Studierenden etwas mehr Lehre in Hörsälen und Seminarräumen geboten werden als im Sommersemester. Nun ist das auch nicht sonderlich schwer. Schließlich liefen die Universitäten und Fachhochschulen ab Mai nur noch im Notbetrieb, der auch dann noch aufrechterhalten wurde, als andernorts Corona-Maßnahmen längst über Bord geworfen wurden.

Überstürzen will man gleichwohl auch jetzt nichts. »Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste«, sagt Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität. Als designierte Vorsitzende der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten hatte Kunst am Donnerstag zusammen mit Steffen Krach, Berlins Staatssekretär für Wissenschaft und Technik, ins Hauptgebäude der HU geladen, um über die Strategien beim Wiederhochfahren des Hochschulbetriebs zu sprechen.

Demnach bereiten sich alle Einrichtungen auf ein sogenanntes Hybridsemester vor. Soll heißen: Ein Teil der Studierenden darf wieder zurück in die Hochschulen, der andere Teil wird weiterhin Seminare und Vorlesungen online von zu Hause aus besuchen müssen. Insbesondere Studienanfängern soll dabei die Möglichkeit geboten werden, den Ort von innen zu sehen, an dem sie die nächsten Jahre büffeln werden. Die Erstsemester wie auch die ausländischen Studierenden sollen in Sachen Präsenzlehre »Vorfahrt haben«, sagt HU-Präsidentin Kunst. Wobei bei aller Vorfahrt auch an den Unis und Fachhochschulen die allgemeinen Corona-Vorsichtsmaßnahmen gelten - Abstand, Hygiene, Alltagsmaske.

Generell wird der Umfang dieser Präsenzlehre aber innerhalb der Hochschullandschaft stark variieren. Während die HU plant, maximal 30 Prozent der Lehrveranstaltungen vor Ort durchzuführen, wird es an den Kunsthochschulen ein ungleich umfassenderes Präsenzangebot geben. Man habe im Sommersemester schmerzlich feststellen müssen, dass die Verlagerung der Lehre ins Digitale »für die Kunst unbefriedigend ist«, sagt Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Weißensee. Ob bei der Bildhauerei oder im Bereich Kostümbild: »Schon aufgrund der vielen Praxisformate haben wir einen hohen Präsenzanteil«, so Baumann.

Klar ist: Sollten die Infektionszahlen in Berlin im Laufe des Wintersemesters wieder durch die Decke schießen, wird der Präsenzbetrieb erneut heruntergefahren. Um »zügig und angemessen« auf ein sich veränderndes Infektionsgeschehen zu reagieren, habe der Senat in Abstimmung mit den Hochschulen einen Drei-Stufen-Plan entwickelt, so Wissenschaftsstaatssekretär Krach. Der »Worst Case« wäre dann Stufe 3: der absolute Notbetrieb wie im Sommersemester. Aktuell befinde man sich in Stufe 1, die eben jenes Hybridsemester erlaube und »wo wir hoffentlich auch lange bleiben«. Konkret werde sich die Senatskanzlei wöchentlich mit den Rektoren und Präsidenten abstimmen und eine Lagebeurteilung vornehmen. Die Corona-Ampel sei dabei aber nur eine Richtlinie.

Ob das alles auch so funktionieren wird? Beim RefRat, der Studierendenvertretung der HU, ist man da außerordentlich skeptisch. Wichtig sei, »dass man die Onlinelehre so organisiert, dass alle daran teilnehmen können«, sagt Juliane Ziegler, Referentin für Lehre und Studium. Im Sommersemester habe gerade in dieser Hinsicht viel im Argen gelegen. Ziegler sieht die teilweise Rückkehr zur Präsenzlehre zugleich durchaus kritisch. »Das Problem ist ja, dass die meisten Seminarräume schon in Normalzeiten überfüllt sind.« Hinzu komme eine »starke Vermischung« der Studierenden, so Ziegler zu »nd«. Schließlich gebe es - anders als etwa im Schulbetrieb - keine Klassen, nicht einmal feste Gruppen. Natürlich sei die Onlinelehre »wesentlich stressiger« als die Präsenzlehre. Aber alle anderen Wege seien ihrer Ansicht nach in der aktuellen Pandemiesituation gefährlich.

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