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Im Zentrum der Macht

DESG-Präsident Matthias Große stellt Jenny Wolf als neue Bundestrainerin vor

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Jenny Wolf hat gar nicht so viel zu sagen - aus mehreren Gründen. Sie sei kein Freund großer Worte, meint sie gleich zu Beginn ihrer Vorstellung als neue Bundestrainerin der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Gefragt nach ihrem Konzept sagt sie: »Ich habe natürlich Ideen im Kopf, entwickeln wollen wir das alles aber gemeinsam.« Damit verweist sie auf die neu geschaffene Trainerkommission des Verbandes. Mehr erfährt man über die fünffache Sprintweltmeisterin und ihre sechs Co-Bundestrainer von Matthias Große. Der frisch gewählte DESG-Präsident lässt auch am Donnerstagvormittag keine Zweifel daran, dass er der neue starke Mann im deutschen Eisschnelllauf ist. Er beansprucht mit Abstand die meiste Redezeit.

»Das ist mein Turm«, antwortet Große vor Beginn der anderthalbstündigen Veranstaltung einem Journalisten auf die Frage, warum die Pressekonferenz des Eisschnelllaufverbandes im Bezirk Köpenick und nicht am Berliner Bundesstützpunkt in Hohenschönhausen stattfinde. Im Mai 2014 hatte der heute 52-jährige Immobilienunternehmer den sanierungsbedürftigen Müggelturm erworben und vier Jahre später wieder eröffnet.

Ein Heimspiel braucht Große aber nicht, um so selbstbewusst aufzutreten, wie er es tut. »Morgen ist der 100. Tag meiner Präsidentschaft«, sagt er am Donnerstag. Im Juni wurde er kommissarischer Präsident der DESG, seit der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonnabend ist er der gewählte Chef - mit mehr als 80 Prozent der Stimmen. In der Zeit davor gab es mehrere harte Auseinandersetzungen. Er entließ den Bundestrainer und den Sportdirektor. Einige Athleten kritisierten seinen harten Führungsstil und mangelnde Kommunikation innerhalb des Verbandes.

Kompromisslos zeigt sich Große auch am Donnerstag: »Wer nicht mitzieht, muss gehen.« Dabei spricht er vom sportlichen Konzept mit der neuen Trainerkommission und betont immer wieder den »Teamgedanken«. Ab jetzt heiße es nicht »unter, sondern mit der Bundestrainerin«. Jenny Wolf nickt. Und sagt: »Der nächste Schritt ist, sich zusammenzusetzen und konkrete Pläne auszuarbeiten.« Die Co-Bundestrainer von fünf Stützpunkten - Uwe Hüttenrauch (Berlin), Andreas Kraus (Inzell), André Hoffmann (Dresden), Tony Seidenglanz (Chemnitz) sowie Gunda Niemann-Stirnemann und Andreas Behr (beide Erfurt) - nicken bei Wolfs Worten ebenso wohlwollend.

Allesamt rufen zehn Jahre nach der letzten olympischen Medaille die »Stunde Null« im deutschen Eisschnelllauf aus. Auf dem Weg zu neuen Erfolgen sieht der Chemnitzer Coach Seidenglanz ein »unglaubliches Potenzial an Sportlerinnen und Sportlern in Sachsen«. Gunda Niemann-Stirnemann findet es gut, »dass wir jetzt realistisch sprechen und nicht träumen.« Der Nachwuchs müsse schließlich erst aufgebaut werden. Zuversichtlich zeigen sich alle dahingehend zumindest im männlichen Bereich.

Die Ziele verkündet dann wieder Große. Zwar sehe er mit Sprinter Nico Ihle und Langstreckler Patrick Beckert durchaus Medaillenkandidaten für die Winterspiele in Peking. Aber: »Den Erfolg der neuen DESG messen wir nicht an Medaillen im Jahr 2022.« Vier Jahre später aber schon. »2026, das verspreche ich Ihnen, werden wir vorne dabei sein. Wenn nicht, dann haben wir unsere Arbeit nicht richtig gemacht.Und dann hätten wir auch alle nichts mehr in diesem Verband zu suchen.«

Sechs Jahre warten auf Erfolg und Bestätigung. Ist Matthias Große ungeduldig? »Nein, ich bin tiefenentspannt«, sagt er zu »nd«. Und trotz verbandsinterner Kritik und der von außen sei er »absolut überzeugt« von seinem Weg. Zwar müsse er noch auf sportliche Erfolge warten, aber »strukturell haben wir schon viel erreicht.« Mit einer eigenen Investition von 250 000 Euro hat er den Verband erst wieder handlungsfähig gemacht. Mit einem mittelständischen Unternehmen aus Bad Aibling konnte Große zudem einen neuen Hauptsponsor gewinnen. Die Kritik, unter anderem von Sylvia Schenk (Transparency Deutschland), dass er seine Präsidentschaftswahl an den neuen Geldgeber geknüpft hatte, will er nicht gelten lassen. Sein Motto: »Wer das Geld bringt, der bestimmt auch.« Jetzt wird die DESG-Geschäftsstelle von München nach Berlin ziehen, »ins Zentrum der Macht«, wie Große sagt. Vielleicht braucht es ja nach Jahren der Stagnation einen Macher wie den vom Müggelturm.

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