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Danke Antifa, danke Andrea!

Linke-Politikerin lobt und wird gelobt, aber auch angefeindet

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Andrea Johlige
Andrea Johlige

Wenn so ein Shitstorm erst einmal angefangen hat, dann hört er nicht so schnell wieder auf. Der englische Begriff bedeutet im übertragenen Sinne, dass jemand in den sozialen Medien mit Kübeln voll Dreck überschüttet wird. Erleben musste das jetzt die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (Linke). Sie wurde von Rechten beleidigt, bedroht und wegen ihrer roten Haare als Pumuckl verspottet - angelehnt an eine Figur aus der alten Hörspiel- und Fernsehserie »Meister Eder und sein Pumuckl«. Wobei der Vergleich mit Pumuckl noch harmlos ist. Denn der kleine Kobold aus dem Kinderprogramm war zwar rotzfrech, aber dennoch liebenswert. Erschütternd und auch bezeichnend findet Johlige, wie sie als Frau wegen ihres Aussehens und ihres Übergewichts herabgewürdigt wird.

Was war geschehen? Die AfD hatte im Landtag einen »antiextremistischen Grundkonsens in Politik und Gesellschaft« beantragt. Johlige sprang nicht über das Stöckchen, das ihr hingehalten wurde, sondern nutzte ihre Redezeit von drei Minuten und neun Sekunden, um sich bei der Antifa zu bedanken - konkret beispielsweise bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, beim Neuruppiner Jugendwohnprojekt »Mittendrin«, beim Bündnis »Cottbus nazifrei«, bei den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie sowie beim Presseservice Rathenow, der über Naziaufmärsche berichtet und über Hintergründe aufklärt.

»Danke Antifa!«, schloss Johlige ihre Rede, von der sie ein Video im Internet einstellte. Schon innerhalb eines Tages gab es bei Facebook 1780 Kommentare, bis Sonntagnachmittag waren es dann bereits 2995.

Einige der von Andrea Johlige Belobigten revanchierten sich mit: »Danke Andrea!« Aber es meldete sich auch ein Haufen erzürnter Rechter zu Wort. Provoziert fühlten sie sich etwa dadurch, dass Johlige versucht hatte, ein Duschgel Marke »Antifa« des Fußballvereins FC St. Pauli zu besorgen. Die Abgeordnete konnte aber aus der Kollektion nur die Seife »Antifa« auftreiben, um diese am Rednerpult hochzuhalten. Die Linksfraktion werde sich niemals von Antifaschisten distanzieren, versicherte die Politikerin.

In den Reaktionen der Rechten zu lesen sind mehrfach keineswegs komische Witze nach dem Motto: Wenn die Antifa Seife mal benutzen würde. Damit geäußert wird das Vorurteil, dass sich die von Nazis zu Feinden erklärten Menschen nicht waschen. Es erinnert an Adolf Hitlers abstoßende Hetze in seinem Buch »Mein Kampf«. Die Juden würden ihre Körperhygiene vernachlässigen und entsetzlich stinken, hatte Hitler behauptet.

Bei einem Shitstorm wird in der Regel losgepöbelt, ohne sich auch nur ansatzweise zu informieren, worum es überhaupt geht. Das zeigt sich hier an dem Geschimpfe, »so etwas« (also Johlige) sitze im Bundestag und lebe von »unseren Steuergeldern«. Dass die Rede nicht im Bundestag gehalten wurde, war eigentlich leicht zu erkennen.

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