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Die giftige Soße schwappt weiter

Die Endlagerdebatte wird noch lange andauern, weil sie weder nur politisch noch rein wissenschaftlich zu lösen ist, meint Stephan Fischer

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 2 Min.
Castoren im mittlerweile stillgelegten und teilweise abgerissenen AKW Philippsburg
Castoren im mittlerweile stillgelegten und teilweise abgerissenen AKW Philippsburg

30 Jahre sind in der Erdgeschichte ein Wimpernschlag. Selbst in zehntausend Jahren passiert manchmal recht wenig. Oder eine Eiszeit, ein Meerwasseranstieg oder eine Naturkatastrophe verändert das Antlitz ganzer Landstriche komplett.

Die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll steht vor einem Dilemma. Heutige Politiker mit einem Zeithorizont von höchstens einem Menschenleben und meist nur von Legislaturperioden sollen letztendlich und letztgültig eine Entscheidung treffen, die Folgen über mehrere Hunderttausend Jahre hat. Der Verweis, dass die Kriterien dafür frei von politischer Einflussnahme rein wissenschaftlich festgelegt und untersucht werden sollen, springt dabei zu kurz – als gebe es so etwas wie die komplett freie Wissenschaft, völlig unabhängig von politischer oder generell menschlicher Einflussnahme. Wissenschaft wird von Menschen betrieben, die haben Interessen – und im Zweifel muss man nur fragen, wie Forschung und Wissenschaft finanziert wird.

Insofern wird jede endgültige Festlegung für einen Standort – aber auch der Ausschluss von Orten – nie den Ruch einer politischen Entscheidung loswerden. Ist Gorleben tatsächlich ungeeignet? Oder war der politische Kampf dagegen einfach erfolgreich, auch unter Zuhilfenahme der Wissenschaft? Sind Gebiete in Bayern davor gefeit, geeignet zu sein? Und ist der Ort St. Florian nicht plötzlich überall, wenn es an den eingemachten Atommüll geht? Und wie würde eine Entscheidung in 100 Jahren ausfallen, mit ganz neuen Erkenntnissen und Verfahren? In 2000 Jahren, in 50.000 Jahren?

Natürlich sind diese letzten Fragen von den heute Lebenden nicht zu beantworten – die giftige Soße ist nun aber mal hier und damit als Aufgabe den heutigen Generationen gestellt. Die giftige Soße in den Fässern, aber auch die »ganze Soße«, die jetzt in Form der politischen Debatte nach der Vorfestlegung auf bestimmte Regionen wieder die nächsten Jahre bestimmt, wie es der Chef der bayrischen Freien Wähler, Hubert Aiwanger, jetzt beklagte.

Ja, durch die Soße muss das Land jetzt durch, denn die Soße immer nur irgendwo zwischenzulagern und eine » endgültige« Lösung und Entscheidung immer nur den nächsten Generationen zu überlassen, ist absolut unverantwortlich. Die stehen nämlich schon vor genügend anderen Herausforderungen – weil die Risikofolgenabschätzung und vor allen die Konsequenzen daraus (z.B. bei Energieerzeugung aus radioaktiven, aber auch aus fossilen Brennstoffen) von den bisherigen Generationen äußerst mangelhaft ausfielen. Die giftige Soße bleibt also in beiden Bedeutungen nur zwischengelagert – sie wird immer wieder hochschwappen.

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