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Können sich Menschen mehrmals infizieren?

Bei vielen Infektionskrankheiten gilt: Hat ein Patient die Erkrankung hinter sich, ist er einige Zeit vor dem Erreger geschützt. Wie ist das beim Coronavirus? Schützt eine überstandene Corona-Infektion vor Neuansteckung oder kann man sich mehrmals infizieren?
Christina B., Berlin

Wer eine Corona-Infektion hinter sich hat, möchte sich kein zweites Mal anstecken. Die Frage, wie lange man nach einer Infektion geschützt ist, dürfte deshalb wohl zu den meistgestellten im Zusammenhang mit der Pandemie zählen. Eine klare Antwort darauf kann die Wissenschaft derzeit nicht geben. Ein längerer Schutz ist zumindest denkbar.

Unser Immunsystem hat verschiedene Mittel, um eingedrungene Erreger möglichst schnell wieder loszuwerden. Bei neuen Erregern, wie dem Coronavirus Sars-CoV-2, klappt das allerdings zunächst oft nicht. Der Körper ist unvorbereitet und kann sich nicht schnell genug wehren.

Anders als beispielsweise bei Masern ist man nach einer Coronavirus-Infektion offenbar nicht völlig immun. Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, können sich ein zweites Mal anstecken. Die Universität von Hongkong hat so einen Fall dokumentiert. Auch Gesundheitsbehörden in den Niederlanden und in Belgien melden ähnliche Fälle.

In Hongkong ist es ein 33-jähriger IT-Spezialist, der im April an Covid-19 erkrankt und genesen war. Bei ihm fiel ein neuer Coronatest nach der Rückkehr aus Spanien im August positiv aus. In den Niederlanden ging es um einen älteren Patienten mit einem schwachen Immunsystem, und in Belgien erkrankte eine nicht näher beschriebene Patientin nach drei Monaten erneut.

In allen Fällen hatten die Ärzte die Gensequenz der Viren aus der ersten und zweiten Ansteckung verglichen und festgestellt: Es handelte sich zwar erneut um das Virus Sars-CoV-2, aber um einen etwas anderen Typ mit einer Anzahl genetischer Veränderungen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Einzelfälle unter den über 23 Millionen weltweit bekannten Fällen handelt. »Wir haben gesehen, dass Infizierte eine Immunantwort entwickeln, aber es ist noch nicht klar, wie lange diese Immunantwort dauert«, sagt Maria van Kerkhove, Covid-19-Expertin der WHO. Es seien Studien im Gange, die prüfen, wie hoch die Immunität nach einer schweren oder milden Infektion oder nach einer ohne jegliche Symptome sei. Fest steht, dass der Wissensstand kontrovers ist.

Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf, verweist darauf, dass bislang unklar ist, ob die Patienten sich nur neu infizierten, weil ihr Immunsystem angeschlagen war, etwa aus genetischen Gründen oder wegen der Einnahme von Medikamenten. Man wisse es von anderen respiratorischen Viren wie Erkältungsviren, dass sie unser Immunsystem immer wieder überlisten und wir uns immer wieder infizieren könne.

Nach Angaben von John Ziebuhr, Leiter der medizinischen Virologie der Universität Gießen, belegen die Fälle, dass die Immunantwort nicht langlebig ist. »Man darf sich nicht der Hoffnung hingeben, dass das Problem gelöst ist, wenn alle einmal durchgeimpft sind«, so John Ziebuhr. Man müsse sich darauf einstellen, dass das Virus dauerhaft zirkuliere. Unklar sei noch, inwieweit zum zweiten Mal infizierte Patienten selbst ansteckend waren. Man könne nicht einfach davon ausgehen, das die einmal Infizierten das Infektionsgeschehen nicht mehr beeinflussen.

Man brauche einen Impfstoff, der eine bessere Immunantwort erzeugt als eine natürliche Infektion. Wann der kommt, können Experten nur mutmaßen. Nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen - es ist das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel - könnte es frühestens Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres soweit sein. Ob der Effekt anhält und ob ein längerfristiger Schutz entsteht, müssen aber monatelange Studien mit Tausenden Probanden zeigen.

Allerdings sei es sehr wahrscheinlich, dass die Menschen mehrmals geimpft werden müssen, um die nötige Immunität aufzubauen. Man hoffe darauf, dass der Schutz mit jeder Impfstoffgabe besser wird. Diese Immunität werde den Krankheitsverlauf bei einer Infektion deutlich mildern. Man werde sich mehrmals infizieren können, aber das werde nicht zu schweren Krankheiten führen. Das sei ähnlich wie bei Grippeviren. Die Geimpfte erlebten in aller Regel bei einer Infektion einen milderen Verlauf. nd-Ratgeberredaktion

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