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Tiefpunkt der politischen Kultur

US-Linke hält Abwahl Trumps für übergeordnetes Ziel

  • Von Max Böhnel, New York
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Streit zwischen den beiden US-Präsidentschaftskandidaten überforderte den Moderator.
Der Streit zwischen den beiden US-Präsidentschaftskandidaten überforderte den Moderator.

Es kam, wie es kommen musste: Das erste TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten endete in einer Schlammschlacht. Wobei Amtsinhaber Donald Trump wie erwartet mit Lügen, Unterbrechungen und Diffamierungen eine inhaltliche Debatte unmöglich machte. So blieben nach 90 Minuten die Pläne der beiden Kandidaten im Vagen. Für viele US-Amerikaner*innen eine Enttäuschung, die allerdings, zumindest im linken und progressiven Lager, erwartet wurde. Dementsprechend hatten viele Linke im Vorfeld angekündigt, die »Debatte« nicht zu verfolgen.

Ein paar wenige Linke schauten sich das Spektakel dann doch an. Cynthia Miller-Idriss, Expertin für US-Rechtsextremismus und Professorin für Bildung und Soziologie an der American University in Washington, sagte dem »nd«, das Duell sei im besten Fall ineffektiv gewesen: Keine neue Information sei vermittelt worden und im Chaos sei kein einziger zusammenhängender Satz gefallen, der eventuell bestehende politische Positionen verständlich gemacht hätte. Schlimmstenfalls, so Miller-Idriss weiter, halte die »Debatte« Menschen davon ab, am 3. November überhaupt wählen zu gehen. »Sich so etwas anzuschauen, macht einen nicht wirklich zuversichtlich, dass die angeschlagene Demokratie überhaupt wieder hergestellt werden kann«, fügte sie hinzu.

Der linke Autor und langjährige New Yorker Politikbeobachter sowie -aktivist Ethan Young sagte nach der Debatte zu »nd«, rein visuell - den Ton ausgeblendet und vordergründig - seien zwei erschöpfte alte Männer zu sehen gewesen. Trump habe sich bei genauerem Hinhören wie so oft als »bitterer Menschenfeind, Großkotz und Schlägertyp, aber vor allem als Lügner« präsentiert. Dabei sei Trump erfolgreich gewesen, »indem er sich seine eigenen Verhaltensregeln vorgab und Biden wie auch den Moderator zeitweise überrumpelte«.

Doch Biden, den Trump vor der Debatte als senil und unzurechnungsfähig zeichnete, hielt diesen Anwürfen stand. Zwar verhaspelte sich Biden hier und dort bei Begriffen und Zahlen, doch er fing sich dann wieder und blieb einigermaßen konsistent. Gleichzeitig kofferte Biden gegen Trumps Unterbrechungen. Nicht zuletzt bezeichnete er Trump als »Rassisten«, als einen, »der keine Ahnung hat, wovon der redet« und als »Clown«.

Gleichwohl stellt Biden den alten Typus des zentristischen Karrierepolitikers in der Partei der US-Demokraten dar. Sein bevorzugter Zugang zu Wähler*innen ist der direkte altmodische Blick in die Kamera, indem er die Zuschauer*innen mit »you« anspricht. Der Höhepunkt seines Auftritts war der direkte Appell an die Wähler*innen, tatsächlich wählen zu gehen. Laut Ethan Young ist das immerhin etwas: Der Anti-Trump-Kandidat ist zwar alt und politisch fragwürdig, aber Trump abzuwählen sei das übergeordnete Ziel, auf das viele die Hoffnung setzen.

Ob die Entfernung Trumps aus dem Präsidentenamt gelingt, bleibt abzuwarten. Der Leiter des New Yorker Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Andreas Günther äußert Zweifel. Der Moment am Schluss der 90-minütigen »Debatte«, als Trump die Legitimität der Briefwahl und der Wahl insgesamt in Zweifel zog, sei der skandalöseste gewesen, so Günther zu »nd«. Günther stellt tatsächlich in Frage, ob es »am Ende dieses Jahres im Falle einer Wahlniederlage von Donald Trump einen friedlichen Machtwechsel geben wird«. Nicht nur für Linke und Progressive Grund, ein eindeutiges Wahlergebnis zu erzielen.

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