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Riffe ohne Haie

Das »PR-Problem« der altertümlichen Knorpelfische gefährdet ihren Schutz

  • Von Michael Lenz
  • Lesedauer: 3 Min.
Haie: Riffe ohne Haie

Die tun nix. Die wollen nicht mal spielen. Trotzdem haben Menschen Angst vor Riffhaien, obwohl diese Raubfische eher scheue Wesen sind. Weil aber Korallenriffe ihr natürliches Habitat ist, begegnen Menschen ihnen am ehesten mal Aug in Aug. Spätestens der Hollywoodknaller »Der Weiße Hai« hat die Vorstellung von Haien als bösartige Killermaschinen tief in der menschlichen Psyche verankert. Dabei wurden 2019 laut International Shark Attack File weltweit nur 140 Angriffe von Haien auf Boote und Menschen registriert, von denen fünf für Menschen tödlich endeten.

Begegnungen mit Riffhaien werden aber immer seltener. Das hat eine Gruppe von Meeresforschern um den Biologen Aaron MacNeil von der kanadischen Dalhousie-Universität in einem globalen Riffhai-Zensus festgestellt. An 20 Prozent der 371 untersuchten Riffe in 58 Ländern zogen keine der Fische mehr ihre Bahnen. Einige der Riffe mit den geringsten Haipopulationen seien nahe an menschlichen Siedlungsgebieten von Ländern wie Vietnam, Katar, Dominikanische Republik oder Sri Lanka gelegen, schreiben die Wissenschaftler im Wissenschaftsjournal »Nature«. Für das Forschungsprojekt im Rahmen des weltweiten Riffhaiforschungsvorhabens »Global FinPrint Project« hatten die Wissenschaftler an den Riffen mit Ködern versehene Kameras ins Wasser gelassen.

Die Grauen Riffhaie, Karibischen Riffhaie oder auch Schwarzspitzen-Riffhaie ernähren sich von kleineren Meerestieren und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht der Riffe bei. Ihre Abwesenheit ist also eine Katastrophe für die schon von Klimawandel, Tauch- und Schnorcheltouristen und der Fischerei geplagten Riffe. An manchen Riffen wurden zwar noch Haie gesichtet, dach zu wenige, um ihre ökologische Funktion noch erfüllen zu können, heißt es in der Studie.

Die Riffhaie teilen also das Schicksal der weltweit rund 500 Haiarten, deren Überleben durch den Appetit der Menschen auf Flossen und Fleisch der Haie gefährdet ist. Obwohl rund um den Globus bereits viele wirksame Haischutzprogramme existieren, müsse mehr für das Überleben der Riffhaie getan werden, fordern die Autoren der Studie. Das ist leichter gesagt als getan. Für Joshua Cinner von der australischen James Cook Universität und Co-Autor der Studie ist klar: »Ja, Haie haben ein Imageproblem. Selbst hier bei uns in Townsville (am Großen Barrier Riff) werden mit Ködern bestückte Haken eingesetzt, um Haie zu töten.«

Für seinen Kollegen MacNeil die Angst vor Haien ein Paradebeispiel dafür, wie schlecht es um die menschliche Risikoeinschätzungsfähigkeit bestellt sei: »Das Risiko, von einem Hai angegriffen zu werden ist bei weitem weniger als die Gefahren des Autofahrens«, betont er gegenüber dem »nd«. MacNeil und Cinner setzen auf Aufklärung, um den ökologischen Nutzen von Haien ins rechte Licht zu rücken. McNeil betont: »Menschen müssen die Natur als das begreifen, was sie ist - ein unglaubliches System des Kreislaufs von Leben und Tod.«

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