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Angriff vor Synagoge

Mann in Tarnkleidung attackiert Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hamburg

Der mutmaßlich antisemitische Angriff vom Sonntag in Hamburg ruft bundesweit und international Reaktionen hervor. Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte auf Twitter, dass es sich bei diesem Angriff nicht um einen Einzelfall handele. Auch der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD) betonte die allgegenwärtige Gefahr rechter Gewalt. »Die Situation, dass Juden in Deutschland vermehrt zur Zielscheibe von Hass werden, darf niemanden in einem demokratischen Rechtsstaat wie Deutschland kalt lassen«, erklärte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Außerdem forderte er, dass Hamburg in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde einen Antisemitismusbeauftragten ernennen solle.

Anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot waren Menschen zu Feierlichkeiten in der Synagoge Hohe Weide in Eimsbüttel versammelt. Vor dem Eingang schlug der Angreifer mit einem Klappspaten unvermittelt einen Studenten, der durch seine Kippa klar als Jude zu erkennen war, und fügte ihm eine schwere Kopfverletzung zu. Der Täter befindet sich in Polizeigewahrsam, nachdem er noch am Tatort festgenommen wurde. Die Vernehmung gestalte sich jedoch schwierig, da der Angreifer »verwirrt« wirke. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft stufen den Angriff inzwischen als versuchten Mord mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund ein. In der Tasche des Angreifers waren ein Zettel mit einem Hakenkreuz sowie ein Taschenmesser gefunden worden.

Ein Jahr nach dem Attentat in Halle ruft dieser Anschlag, ebenfalls durch einen militärisch gekleideten Mann, Bestürzung hervor. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hamburg, Philipp Stricharz, äußerte sich im Interview mit dem NDR dahingehend, dass Verweise auf geistige Verwirrung unbefriedigend seien und sprach von einem Terroranschlag.

In der Nacht zu Montag durchsuchte die Polizei die Wohnung des Täters und stellte Datenträger sicher, Hinweise auf Mittäter gäbe es bisher jedoch nicht. Auch über die Herkunft der Bundeswehruniform wird ermittelt.

»Der Gedanke, dass diese schreckliche Tat antisemitisch motiviert und bewusst zum Sukkot-Fest ausgeübt wurde, ist unerträglich«, kommentierte Deniz Celik, Sprecher für Antifaschismus der Hamburger Linksfraktion. »Angesichts mehrerer Anschläge und Angriffe in den letzten Monaten ist es notwendiger denn je, Antisemitismus und Rechtsextremismus mit allen Mitteln zu bekämpfen.«

In den letzten Wochen hatte es mehrere Vorfälle gegeben: Im September wurde in Berlin-Charlottenburg am Eingang der Synagoge Tiferet Isreal eine Mesusah, ein Türpfosten, der ein Pergament enthält, aufgebrochen und dieses mit einem Hakenkreuz beschmiert. In Heidelberg wurde am 29. August im Haus der Burschenschaft Normannia ein Student mit Gürteln geschlagen, antisemitisch beleidigt und mit Münzen beworfen. Auf Demonstrationen mit rechter und verschwörungstheoretischer Ausrichtung kommt es immer wieder zu Übergriffen. Judenfeindliche Symbole oder Karikaturen, die die Verfolgung von Juden ins Lächerliche ziehen, gehören zum Repertoire. Bis September zählte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus allein in Berlin 75 antisemitische Vorfälle mit Bezug zum Coronavirus.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, erklärte, dass nach den Ursachen des Hasses gefragt werden müsse. »Warum passiert das immer wieder? Warum floriert Antisemitismus?« Von der deutschen Regierung forderte er mehr Verantwortungsübernahme und den Schutz der jüdischen Gemeinde, um frei und ohne Angst den Glauben praktizieren zu können.

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