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Streit um knappes Wasser

Eine schwere Dürre bereitet im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA massive Probleme

  • Von Andreas Knobloch
  • Lesedauer: 3 Min.

Mexiko und die Vereinigten Staaten schicken sich jedes Jahr gegenseitig Milliarden Liter Wasser, um Farmen entlang der Grenze zu bewässern. Geregelt ist dies in einem Abkommen aus dem Jahr 1944. Gegen dieses regt sich nun aber Widerstand im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua, der von einer schweren Dürre heimgesucht wird.

Nahe der Ortschaft San Francisco de Conchos an der Grenze zu den USA haben Bauern den Staudamm La Boquilla besetzt, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. »Wir sind hier vereint, um Chihuahua und das Wasser zu verteidigen, das sie uns stehlen«, so die 60-jährige Marisa Flores gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Sie und ihre Mitstreiter sind besorgt, nicht genug Wasser für die Ernte zu haben. Rund 20 000 Familien benötigen das Nass aus dem Staudamm.

»Wir können nicht der einzige Halbwüstenbundesstaat sein, der Wasser exportiert«, sagt Salvador Alcántar, Präsident des Verbandes der Nutzer von Bewässerungsanlagen von Chihuahua. Laut der mexikanischen Wasserkommission leiden weite Teile Chihuahuas seit mehr als sechs Monaten unter mittelschwerer bis schwerer Dürre. Auch die benachbarten Bundesstaaten Sonora und Coahuila sind betroffen.

Laut dem Abkommen, das die Nutzung zweier Grenzflüsse regelt, behält Mexiko zwei Drittel des Wassers des Rio Bravo und gibt den Rest an seinen Nachbarn ab, jedoch mindestens 432 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Dafür bezieht Mexiko Wasser aus dem Colorado River. Bis 24. Oktober muss Mexiko einen Fehlbetrag von 330 Millionen Kubikmetern Wasser ausgleichen, um die fünfjährige Lieferquote gegenüber den USA zu erfüllen.

Jenseits der Grenze wird man auch ob der Proteste ungeduldig. Es sei »unverständlich, dass nicht bezahlt wird, wenn das Wasser doch in den Stauseen ist. Es gehört nicht nur Mexiko, sondern auch den USA, wo es Bauern gibt, die es ebenfalls benötigen«, so der Gouverneur von Texas, Greg Abbott. Kürzlich wandte er sich an das Außenministerium in Washington mit der Bitte, bei der Durchsetzung des Abkommens mitzuwirken.

Die mexikanischen Landwirte befürchten, dass die verbleibenden Wassermengen nicht ausreichen, um ihre Felder zu bewässern, und setzen sich deshalb zur Wehr. Am Staudamm kam es vor einigen Tagen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen mit Knüppeln und Molotowcocktails bewaffneten Protestierenden und der Nationalgarde, die ihrerseits Tränengas einsetzte. Eine Frau wurde von der Nationalgarde erschossen, ihr Mann schwer verletzt; mutmaßlich, als ihr Fahrzeug mit anderen in einen Konvoi der Nationalgarde geriet. So die Version der Behörden, die von einem Unfall sprechen. Die Landwirte sagen, es sei eine willkürliche Hinrichtung gewesen. Auch Tage später schlägt der Tod der Frau hohe Wellen in Mexiko. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Wasserkrise hat zudem einen heftigen Streit zwischen der Opposition und Präsident López Obrador ausgelöst, der sich um ein gutes Verhältnis zu den USA bemüht. Seine Regierung sei entschlossen, die Wasserschulden zu begleichen, so López Obrador. Der Aufstand der Bauern werde aus taktischen Gründen im Vorfeld der Regionalwahlen in Chihuahua geschürt. Den Landwirten sollte gesagt werden, dass »es keinen Wassermangel gibt, dass sie nicht ohne Wasser dastehen werden«, so der Präsident.

Die Regierung befürchtet bei Nichteinhaltung der Verpflichtungen Vergeltungsmaßnahmen der USA. Washington könnte Zölle verhängen oder mit einer Neuverhandlung des Wasserabkommens drohen. Dabei hätte Mexiko einiges zu verlieren, denn das Land erhält heute mehr als die vierfache Menge Wasser aus den USA, als es selbst Richtung Norden liefert.

Salvador Alcántar, Präsident des Nutzer-verbandes, hält dagegen: »Sie plündern die Dämme«, so dass es nächstes Jahr kein Wasser mehr für die Bewässerung der Felder geben werde. Immerhin: Ein runder Tisch soll nun eine Einigung bringen.

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