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Alba läuft noch hinterher

Berlins Basketballer verlieren in der Euroleague klar gegen den FC Bayern München

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.
Alba Berlin mag deutscher Meister sein, doch der FC Bayern um Nationalspieler Paul Zisper (am Ball) bläst bereits kräftig zum Gegenangriff.
Alba Berlin mag deutscher Meister sein, doch der FC Bayern um Nationalspieler Paul Zisper (am Ball) bläst bereits kräftig zum Gegenangriff.

Der Oberrang war komplett zugehängt, die Plätze hinter den Körben blieben auch leer, die fahrbaren Tribünen für die lautesten Fans wurden gar nicht erst herausgezogen. In die Arena am Berliner Ostbahnhof passen bei Spielen des deutschen Basketballmeisters Alba Berlin mehr als 14 000 Zuschauer, gegen den Erzrivalen Bayern München kommen auch schon mal so viele, doch an diesem Freitagabend waren es nur 700. Mehr durften es coronabedingt auf Anweisung des Senats nicht sein. Und der mit 72:90 misslungene Heimauftakt in die neue Saison hat gezeigt, dass Alba eine Strategie braucht, sich darauf einzustellen.

Die Berliner Basketballer und ihre Fans bilden meist eine Symbiose. Erst mit guten Aktionen auf dem Feld entfachen die Spieler oft eine großartige Stimmung auf den Rängen. Das Publikum wiederum kann dann der Mannschaft Impulse zurückgeben. Als Alba genau diese im zweiten Viertel des Euroleague-Spiels gegen die Bayern brauchte, fehlte der Funke. So drehten die Bayern einen 21:27-Rückstand binnen zehn Minuten zum 52:36-Halbzeitstand. Viel näher sollte Alba danach nicht mehr herankommen.

Nun lag die zweite Berliner Pleite in der Euroleague wahrlich nicht an den Fans, sondern vor allem daran, dass Alba längst nicht mehr die eingespielte Truppe ist, mit der man im Juni zehn Siege am Stück und den Titel geholt hatte. Danach verließen sieben Leistungsträger Berlin, sechs sind neu hinzugekommen. Speziell auf der Center-Position zeigte Alba mit dem 24 jährigen US-Amerikaner Ben Lammers aber noch einige Schwächen auf, die die Münchner gnadenlos ausnutzten. Erfolgstrainer Aito Garcia Reneses ist aber keiner, der laut weitere Verstärkungen verlangt. »Ich muss akzeptieren, was wir haben. Nun werde ich versuchen, unsere Charakteristiken anzupassen«, sagte der 73-jährige Spanier, ohne Lammers schwache Partie mit einem Wort zu erwähnen.

Die Bayern hingegen haben sich merklich verstärkt. So wurde Nick Weiler-Babb, der vor wenigen Monaten noch Ludwigsburg ins Finale führte, ebenso verpflichtet wie der schnelle und wurfsichere ehemalige NBA-Aufbauspieler Wade Baldwin. Wenn Stars wie Weiler-Babb oder der deutsche Nationalmannschafts-Stammspieler Paul Zipser erst von der Bank kommen, sagt das viel darüber aus, wer auch in dieser Saison den dicksten Etat hat. Da kann Bayerns Trainer Andrea Trinchieri noch so gern sagen, dass Alba Titelfavorit sei, weil die Berliner Meister sind und Maodo Lo von den Bayern abwerben konnten. Lo kann die Berliner aber noch nicht führen. Ihr Angriffsspiel wirkte zu statisch für Albas Verhältnisse. Kein schnelles Passspiel konnte die Münchner ins Laufen zwingen. Vielmehr rannte Alba selbst oft hinterher.

»Es war schön, unsere Fans wieder zu sehen. Leider haben wir sie dann so enttäuscht. Die Bayern haben uns ganz schön den Arsch versohlt. Wir müssen es in Zukunft besser schaffen, schnell zu unserem Stil zurückzufinden«, analysierte Aufbauspieler Peyton Siva hart und direkt die eigenen Fehler.

Auf der anderen Seite weht auch bei den Bayern ein härterer Wind. Trainer Trinchieri war es egal, dass sein Team fünf Minuten vor Ende uneinholbar führte, als Weiler-Babb mal etwas langsamer dahertrabte: »Los, hol den Ball!«, brüllte der Italiener den verdutzten Neuzugang an. »In dem Moment, in dem wir denken, dass wir gut sind, sind wir schon tot. Mein Team wurde nachlässig. Das mochte ich nicht. Das ist eine Sache der Mentalität«, verteidigte Trinchieri später seinen Ausbruch an der Seitenlinie. »Diese Mentalität auszubilden, braucht Jahre. Da kann ich keine Sekunde dieses Lehrprozesses verschwenden.«

Eine Einstellung, die auch manchen Berlinern gut täte, sollten sie zu lange am Erfolg des Vorjahres festhalten - auch wenn sie Trainer Aito nie auf so laute Weise einfordern würde. »Der Titel ist jetzt Vergangenheit. Du musst aber in der Gegenwart leben«, sagte der Spanier. Schon im nächsten Training wollte er seine Schützlinge daran erinnern.

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