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Unterschätzter Ginter will EM-Hauptrolle

Abwehrspezialist ist endlich Stammkraft unter Joachim Löw

  • Von Jens Mende und Klaus Bergmann
  • Lesedauer: 3 Min.

»Geht so.« Die zwei Worte zum Grad seiner Zufriedenheit nach dem persönlichem Tor und dem kollektiven Sieg in der Ukraine verdeutlichten den Anspruch von Matthias Ginter. Immerhin ist der Mann schon Fußballweltmeister, wenn auch ohne eine Einsatzminute beim deutschen Triumph im Jahr 2014 in Brasilien und danach oft unterschätzt. Auch bei der WM 2018 war er mit dabei, ohne letztlich auf dem Platz zu stehen.

In Brasilien war der gebürtige Freiburger noch der Jüngste im Kader von Joachim Löw. Jetzt ist Ginter mit 26 Jahren beim Bundestrainer erste Wahl. »Ich versuche jeden Tag zu nutzen, ehrgeizig zu bleiben und alles rauszuhauen. Ich bin froh, dass ich dafür belohnt wurde«, sagte der Gladbacher Profi in Kiew zu seiner Einstellung und seinem 1:0-Führungstreffer. Löw schätzt beides.

»Bei Matthias Ginter weiß man, woran man ist. Er ist zuverlässig, hat sich defensiv verbessert, verfügt über eine gewisse Ruhe und hat keine großen Schwankungen«, hatte der DFB-Chefcoach den neuen Ginter jüngst beschrieben. Schon vor der langen Coronapause stach Ginter sogar die Stars im Team aus: Vor elf Monaten beim 4:0 gegen Belarus traf er per Hacke. Im Januar gewann er die Fanwahl zum Nationalspieler des Jahres 2019 - noch vor Torjäger Serge Gnabry und dem zum Juniorchef gereiften Joshua Kimmich vom FC Bayern.

Auch beim wichtigen 2:1 in der Ukraine schwang sich Ginter zu einem Hauptdarsteller auf. Sein Führungstreffer im Nationalstadion lähmte förmlich die 17 573 Zuschauer, die zunächst im eigentlich 70 000 Fans fassenden Nationalstadion für einen in Corona-Zeiten ungewohnten Lärm gesorgt hatten. »90 Prozent meines Tores gehören Antonio Rüdiger«, sagte Verteidiger Ginter zur energischen Vorbereitung seines Abwehrkollegen. Auch vor und nach dem 1:0 investierte der Torschütze viel in das Angriffsspiel, wenn auch nicht immer fehlerlos.

»Hinten raus wurde es noch mal eng. Es war nicht unser bestes Spiel«, urteilte Ginter am Ende selbstkritisch: »Wir hatten gerade in der ersten Halbzeit viele einfache Ballverluste, einfache Fehler. Das kommt in der Nationalmannschaft selten vor.« Der Defensivspezialist sah sich damit auch bestätigt für seine allgemeine Einschätzung zur Entwicklung der Nationalelf. Man brauche noch »ein bisschen Zeit«, ehe das Team wieder auf dem ganz hohen Niveau ankomme.

Das nächste große Turnier, die in den Sommer 2021 verschobene EM, will Ginter als Stammkraft mitprägen. Auch die Herausforderung Champions League mit Mönchengladbach soll dabei helfen. Für ihn sind der Stammplatz und die Wohlfühlatmosphäre bei der Borussia wichtiger als beispielsweise mehr Geld bei einem größeren Verein.

Trotz der frühen WM-Ehre vor nun schon mehr als sechs Jahren spielte der 1,91 Meter große Profi bisher nur beim zweitrangigen Confed Cup in Russland 2017 eine tragende Rolle. Bei der EM 2016 war Ginter gar nicht dabei. Dafür holte er mit dem Olympia-Nachwuchsteam in Rio de Janeiro die Silbermedaille. 2018 bei der verkorksten WM kam er wieder nicht über den Ersatzspielerstatus hinaus. In Kiew demonstrierte der inzwischen 32-malige Nationalspieler, wie er im kommenden Sommer zur sportlichen Wiedergutmachung beitragen möchte. »Auf unserem weiteren Weg helfen nur Siege«, sagte Ginter entschlossen.dpa/nd

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