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Landtag und BER auf Annäherungskurs

Brandenburgs Parlamentssonderausschuss lässt sich vor Ort von den Fortschritten am Airport überzeugen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.
Flughafenmitarbeiter suchen die noch gesperrte südliche Start- und Landebahn des BER nach gefährlichen Fremdkörpern ab.
Flughafenmitarbeiter suchen die noch gesperrte südliche Start- und Landebahn des BER nach gefährlichen Fremdkörpern ab.

Der persönliche Einsatz von BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup kann mitunter wohl Berge versetzen. Manchmal reicht er sogar aus, bisweilen höchst misstrauische Kritiker zu innerer Einkehr zu bewegen. So geschehen offenbar am Montagvormittag, als der für seinen Enthusiasmus und seine Detailkenntnis bekannte Flughafenmanager die Mitglieder des BER-Sonderausschusses über den neuen Hauptstadtairport und durch die nahezu fertiggestellten Terminals führte.

Eines jedenfalls hat die Visite bewirkt: Als der Ausschuss am Nachmittag, außer der Reihe in Schönefeld tagend, die anwesenden Vertreter des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) sowie der Landesregierung befragte, zog wirklich niemand mehr das Datum 31. Oktober als Eröffnungstermin in Zweifel. Und zwar ungeachtet der großen wirtschaftlichen Probleme der Betreibergesellschaft, die neben den immensen Nachlaufkosten des neun Jahre verspätet fertiggestellten Flughafens auch die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie und der Luftfahrtkrise schultern muss. In Rede steht ein Mehrbedarf von weiteren 500 Millionen Euro allein für 2021.

Die finanziellen Lasten, die auch auf Brandenburg zukommen, kamen hingegen sehr wohl zur Sprache und wurden penibel hinterfragt. Und es war gerade auch die Linke-Politikerin Marlen Block, die immer wieder auf die Wahrung der Interessen der Steuerzahler pochte und die Lasten, die die Flughafenmitarbeiter in der Krise zu tragen haben, in den Fokus rückte. Aber die Tonlage der Sitzung war diesmal eine andere. Wenn auch nicht jedes Ausschussmitglied seinen Gefühlen so freien Lauf ließ wie Helmut Barthel, der für die SPD seit 2014 dem Gremium angehört. »Knapp 20 Tage vor der Eröffnung wieder durch diese Baustelle zu gehen, lässt einem das Herz aufgehen«, schwärmte er. »Der Flughafen ist durchaus ein Ort, in dem sich Brandenburg gut präsentieren kann.«

Zuversicht prägte denn auch den Auftritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Bret᠆schneider, der den Ausschuss über die Sitzung des Kontrollgremiums vom vergangenen Freitag, der letzten, bevor der Flughafen ans Netz geht, informierte. »Drei Wochen vor der Eröffnung gibt es zwar noch Restarbeiten zu machen, aber alle notwendigen Genehmigungen - zuletzt auch die luftrechtliche Genehmigung durch die gemeinsame Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg - liegen vor«, betonte er. »Wir schauen mit Optimismus auf die Inbetriebnahme, auch wenn es sicher so sein wird, dass, wie bei jedem großen Bauvorhaben, auch hier noch das eine oder andere vielleicht nicht hundertprozentig klappt.« Das große Damoklesschwert einer fehlgeschlagenen Eröffnung, wie man es 2012 erlebt habe, sei weg.

Bretschneider erläuterte, warum das inzwischen fertiggestellte Terminalgebäude 2, das die Parlamentarier zuvor besichtigt hatten, auf Beschluss der Geschäftsführung nun erst zum Sommerflugplan 2021 in Betrieb genommen wird: In Zeiten der Coronakrise und der erneut zurückgegangenen Passagierzahlen sei dies eine Maßnahme zur Kosteneinsparung am BER.

»Vor der Eröffnung ist auch nach der Eröffnung«, so der Aufsichtsratschef. Und so habe sich der BER nun mindestens zwei zentralen Themen zu stellen - neben der »vernünftigen Sicherstellung« des Flughafenbetriebes vor allem der Sicherstellung der finanziellen Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund der Einnahmeausfälle auch durch Corona. Dieser Themen werde sich eine zweitägige Klausur im Januar 2021 annehmen, im Frühjahr müsse ein Businessplan verabschieden werden. »Wir werden uns über die Finanzen unterhalten und uns die Frage nach der Zukunftsausrichtung der Flughafengesellschaft insgesamt stellen«, so Bretschneider.

Rein praktisch gehe es um den Wirtschaftsplan 2021. Im Aufsichtsrat sei die zentrale Frage gewesen: »Wie viel Geld brauchen wir von unseren Gesellschaftern«, sagte er. »Jedenfalls ist es so, dass wir durch die Coronahilfen der Gesellschafter und das, was noch von dem großen Bankenkonsortialkredit übrig ist, liquiditätsmäßig optimistisch in das Jahr 2021 kommen werden. Aber wir werden nicht ohne die Unterstützung der Gesellschafter auskommen können.«

Lütke Daldrup machte darauf aufmerksam, dass Berlins Flughäfen in diesem Jahr bislang 8,3 Millionen Passagiere hatten - im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 28,6 Millionen. »Wir hatten in der letzten Woche zwischen 20 und 25 Prozent von normal«, sagte er. Statt bei 100 000 Gästen pro Tag habe der Spitzenwert vergangene Woche bei 28 000 gelegen. Das sei Ausdruck der coronabedingt größten Krise der Luftverkehrswirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Derzeit verbessere sich die Situation nicht, sie habe sich in den letzten Wochen sogar leicht verschlechtert. »Das wird uns den ganzen Winter über begleiten.«

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