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Gran Chaco in Flammen

Massive Brandrodungen auch in Argentinien und Paraguay

  • Von Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit 1,1 Millionen Quadratkilometern ist der Gran Chaco Lateinamerikas zweitgrößtes Trockenwaldgebiet. In dem artenreichen Ökosystem aus Savannen, Galeriewäldern und Feuchtgebieten liegt die Heimat indigener Völker wie der Ayoreo, Chamacoco und Wichie. Dennoch schreitet im Namen von Soja- und Rindfleischexport die Vernichtung des Gran Chaco und damit die Vertreibung seiner Ureinwohner voran. Menschenrechtsorganisationen wie Survival International sprechen von Genozid, während sich Agrobusiness und internationale Investoren immer mehr Land unter den Nagel reißen.

»Im Gran Chaco breitet sich die industrialisierte Landwirtschaft besonders schnell aus, was die Region zu einem Hotspot der tropischen Entwaldung hat werden lassen«, hieß es bereits 2018 in einer Studie des Geographischen Instituts der Humboldt-Universität Berlin. Im Gegensatz zu anderen tropischen Wäldern etwa am Amazonas stünden jedoch nicht einmal zehn Prozent des Chaco unter Schutz.

Auf Argentinien und Paraguay, die mit 60 sowie 23 Prozent den größten Flächenanteil halten, konzentriert sich auch die Abholzung in diesem Jahr. Satellitendaten registrierten bis September eine Zunahme der Waldbrände um 181 Prozent in Argentinien und um 94 Prozent in Paraguay. Laut einem Bericht von Greenpeace verbrannten in der zweiten Augusthälfte 50 000 Hektar allein in der zentralargentinischen Provinz Córdoba. Auch andere argentinische Provinzen seien betroffen.

Nach offiziellen Angaben hat Argentinien in den vergangenen 20 Jahren fünf Millionen Hektar seines Trockenwaldes eingebüßt. Der Biologe und Träger des alternativen Nobelpreises, Raúl Montenegro von der Universität von Córdoba, schätzt, dass bereits mehr als 30 Prozent des Gran Chaco von Argentinien vernichtet sind und der Rest zersiedelt ist. »Wir haben den Chaco in einen Schweizer Käse verwandelt«, so Montenegro.

Ein Ende der exportorientierten Entwicklung der Region ist dennoch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Zu Beginn des Jahres kündigte Jorge Capitanich, Gouverneur der Provinz Gran Chaco im Norden Argentiniens, an, die Zahl der Rinder in den nächsten zehn Jahren um 700 000 zu erhöhen.

Es geht nicht nur um Wiederkäuer: Ein Plan der argentinischen und der chinesischen Regierung sieht die Ausweitung der Schweinefleischexporte Richtung Fernost vor. Vorgesehen ist der Bau von 25 Mega-Mastanlagen mit jeweils 12 500 Sauen. Dies wären eine Verdoppelung der Anzahl der Mastschweine Argentiniens und eine Erhöhung der Fleischproduktion auf 900 000 Tonnen pro Jahr, wie die Regierung vorrechnet. Der Mercosur-Staat soll zu einem der wichtigsten Schweinemäster für den chinesischen Markt werden.

Argentinische Umweltschützer wollen dies verhindern. Fast eine halbe Million Menschen haben Petitionen gegen das Vorhaben unterschrieben. Die mit chinesischen Investitionen finanzierten Mastbetriebe bedeuteten nicht nur eine erhebliche Umweltbelastung und Gesundheitsgefährdung, so die Kritiker. Die ausgelöste Nachfrage nach Tierfutter, vornehmlich Mais und Sojabohnen, werde zu einer weiteren Zunahme der Entwaldung und Landvertreibung im Gran Chaco führen.

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