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Experten benoten Regierung in Paris

Kommission übt Kritik wegen Mängel und Versäumnissen beim Coronakrisen-Management in Frankreich

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Paar kommt an einem geschlossenen Café vorbei.
Ein Paar kommt an einem geschlossenen Café vorbei.

»Gut, könnte aber besser sein«, hat eine internationale Expertenkommission, die das Corona-Krisenmanagement der französischen Regierung beurteilen sollte, dieser ins Zeugnis geschrieben. Bei der Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen sowie der Zahl der Todesopfer lag Frankreich »im europäischen Mittelfeld«, so die Einschätzung des Schweizer Professors Didier Pittet, der langjähriger Berater der Weltgesundheitsorganisation ist. Pittet leitet die fünfköpfige Expertengruppe, die von Präsident Emmanuel Macron berufen wurde, um »einen unabhängigen Blick auf das französische Krisenmanagement zu werfen«. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Paris legte der Epidemiologe einen Zwischenbericht vor. Damit will das Gremium helfen, schon jetzt Schlüsse für das weitere Vorgehen zu ziehen, zumal die Epidemie in Frankreich wieder am Anschwellen ist. Die komplette Studie soll im Dezember vorgelegt und veröffentlicht werden.

Im sanitären Bereich habe es »eindeutige Mängel und Versäumnisse bei der Vorausschau, der Vorbereitung und der Bewältigung« der Pandemie gegeben, heißt es dort. Als Beispiele werden die anfangs völlig unzureichende Bereitstellung von Atemschutzmasken und Tests genannt, was noch dadurch verschlimmert wurde, dass sich Mitglieder der Regierung in den Medien widersprüchlich dazu äußerten, ob Masken und Tests überhaupt nötig seien. Hinzu sei die mangelhafte Koordinierung der Akteure des Gesundheitswesens gekommen. So habe man sich zunächst zu wenig auf die Vorbeugung von Ansteckungsgefahren konzentriert. Auch habe es an Technik gefehlt, um kurzfristig neue Kapazitäten für die Intensivbehandlung von schwer Erkrankten zu schaffen.

All das sei erst mit bedauerlichem Zeitverzug korrigiert worden. Kritisch sieht die Kommission auch, dass aus innenpolitischen Erwägungen trotz eindeutiger Zeichen für eine beginnende länderübergreifende Pandemie am ersten Wahlgang der Kommunalwahlen festgehalten wurde. Dabei hätten sich nicht wenige Wähler und Wahlhelfer angesteckt.

Die mangelhafte Bereitstellung von Tests liege vor allem am starren System des französischen Gesundheitswesens, das bislang solche Tests nur den Universitätskrankenhäusern erlaubte. So habe man die Hilfeangebote der privaten und der veterinärmedizinischen Labors »viel zu lange ignoriert«, räumte Pierre Parneix, Facharzt für Öffentliche Gesundheit am Uniklinikum Bordeaux ein. Doch das System der öffentlichen Krankenhäuser habe der Pandemie standgehalten, schätzt er ein, nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz der Ärzte und Schwestern, die nun häufig erschöpft seien.

Durch das fast dreimonatige Ausgangsverbot, aber auch die spontane Konsumdrosselung durch die privaten Haushalte, die aus Furcht vor einer langanhaltenden Krise gespart haben, war in Frankreich ein im europäischen Vergleich »außerordentlich starker Rückgang des Bruttosozialprodukts« zu verzeichnen, konstatieren die Experten. Die Behörden und die Wirtschaft hätten die ökonomischen Konsequenzen der Seuche aber »insgesamt zufriedenstellend gemeistert« und vor allem mit der sehr breiten Einführung von Heimarbeit per Internet »gut reagiert«.

Für Mittwochabend war ein Fernsehinterview mit Präsident Macron angekündigt. Allgemein wurde erwartet, dass er dabei neue schärfere Maßnahmen verkündet, insbesondere für Läden, Cafés und Restaurants.

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