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Sprache

Ich komme mit Assisprache in deine Schriftkultur

JEJA NERVT: Sprache ist ein Mittel des Widerstands!

Von Jeja Klein

Vor einigen Wochen erschien hier meine Glosse in Solidarität mit den Bildungszielen der deutschen Bullerei. Doch einigen Leser*innen schien das Gefühl zur Sache abzugehen und so beklagten sie teils in grobschlächtigem Vokabular: Wer das Wort »Bulle« in den Mund nehme, beweise mangelnde Sprachkompetenz. Das ist interessant. Weil das natürlich ein Missverständnis über das Wesen von kompetentem Sprachgebrauch ist, das zu vermeiden gewesen wäre, hätte man sich - Sie ahnen es: mal ein wenig Sprachkompetenz angeeignet.

Gut sprechen zu können, so scheinen viele zu denken, ist die Kunst, sprachlich dazuzugehören. Das liegt daran, dass sie den gesamten Lebensvollzug im kapitalistischen Patriarchat als Frage des Dazugehörenkönnens begreifen: Abliefern. Normal sein. Anerkannt werden. Die Küche putzen (»nicht wie die Scheißzecken von der LiebIGSTRAßEWUAAAH!«). Also so zu sprechen, dass der Deutschlehrer zufrieden ist und Mutti Hoffnung haben kann, das Kind möge einen Uniabschluss in Dingens, hier, Wirtschaft, ähm, BWL oder so einem Nazikram nach Hause bringen.

Allein: Das sprechende Subjekt möchte sein eigenes Verhältnis zur Welt zur Verfügung stellen, sich selbst mitteilen und darin seine Welt. Es möchte auch schreiben, um mit dem Niedergeschriebenen nachdenken zu können. Und es lässt den Inhalt auf die Form los - immer. Rund um Sprache entstehen wunderbare Kunstwerke: denken Sie an die klassische Dichtkunst, die man als Tor zur Weisheit schätzte, noch bevor man auf so etwas wie Philosophie kam. Heute dichten die Leute zu Beats. Marginalisierte Machomänner erzählen in den Sprachspielen ihrer Subkultur aus einem Leben, vor dem der Rest der Gesellschaft lieber die Augen verschließt (»dummerweise hört Florian in seinem Zimmer immer so laut Haftbefehl«).

Sprache kann ein Mittel sein, um im Hamsterrad des Kapitalismus mitzulaufen. Sprache kann aber auch ein Mittel des Widerstands sein: Man kann bewusst so sprechen, dass es diejenigen abfuckt, die von einem verlangen, eine genauso angepasste Arbeitskraft auf dem Markt zu sein wie sie selbst. Oder man klimpert auf der Klaviatur der Herrschaftssprache und führt bewusst Elemente ein, die da nicht sein dürften. »Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen«, schreibt der Schachtelsatzphilosoph Theodor W. Adorno über das Verhältnis von Sprache und Subjektivität. Eine seiner Empfehlungen - kein Plan mehr, wo - war es, in der Erziehung ein größeres Augenmerk auf die Ausbildung sprachlicher Fertigkeiten zu setzen. Er glaubte, dass darin ein Immunitätsfaktor gegen die autoritären Versuchungen läge, die der deutsche Faschismus den Einzelnen geil geboten hatte.

Das Nachdenken, die Philosophie, die Kunst oder das Feuilleton gelten als etwas Edles. In ihnen geht es um höhere Erkenntnis, die dem Pöbel gänzlich abgeht. Sie neigen darum dazu, sich selber gegen die Erfahrung abzudichten, über die doch eigentlich nachgedacht werden sollte: die Welt, ihr Elend. Dann gelten bürgerliche Manier und die Abwehr wenig edler Gefühle, Wut oder Angst. Finden die Gefühle im Nachdenken aber nicht mehr statt, wird zwar seitenweise gesprochen und geschrieben, doch wenig begriffen.

Ein solches Ideal des Sprechens, des Denkers, ist die Zuspitzung von Verhältnissen, die wir - mit Genosse Marx - umzuwerfen hätten: ein weißer Dude, der die Welt von Kapitalismus und Patriarchat gegen Lohn sprachlich mitverwaltet. Der das Totschlagen von Schwarzen in den Nachrichten gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt. Der die emotionale Sprachlosigkeit gegenüber seiner Ehefrau, seinen Kindern, nicht spürt, die ihn als Mensch bis ins Mark schmerzen könnte, ja, müsste.

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