Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Coronavirus

Die Fehler der anderen

SIEBEN TAGE, SIEBEN NÄCHTE über die zweite Corona-Welle

Von Regina Stötzel

»Was ist in Tschechien schiefgelaufen?«, fragte tagesschau.de passenderweise am Donnerstag, als in Deutschland ein erstes Allzeithoch an Corona-Neuinfektionen gemeldet wurde. Die Fehler der anderen sind eben immer leichter auszumachen.

Coronavirus: Die Fehler der anderen

Der Prag-Korrespondent der ARD antwortete. Seinen Text kann man so zusammenfassen: Bei Ausbruch der Krankheit in Europa reagierte Tschechien gut und schnell. »Lehrbuchhaft« steht da. Einschränkungen des öffentlichen Lebens folgten bald die Ausrufung des Notstands und Quarantäne für das ganze Land. Das wirkte: Im Frühsommer schien alles überstanden, die Reisezeit begann unbeschwert.

Doch als die Zahlen wieder stiegen, tat man sich schwerer mit Schutzmaßnahmen und verwies auf die höhere Zahl an Tests. Eine vorsorgliche Maskenpflicht wurde zurückgenommen, die Menschen hielten keinen angemessenen Abstand zueinander. Mit Konsequenzen: Die Neuinfektionen stiegen gravierend, das soziale Leben wurde wieder eingeschränkt, jedoch soll ein Lockdown nach wie vor unbedingt vermieden werden.

Irgendwie kommt einem das bekannt vor, auch wenn die Lage in Tschechien mit über 9000 Fällen bei 10 Millionen Einwohnern derzeit wesentlich dramatischer ist als in Deutschland mit mehr als 7000 Neuinfektionen bei einer etwa achtmal so großen Bevölkerung. In Berlin feierte man auch nicht »das Ende der dunklen Coronazeit« mit einer 500 Meter langen Festtafel wie in Prag. Aber das ist ein Detail, das irgendwann, wenn der Impfstoff da und das Schlimmste überstanden ist, vergessen sein dürfte wie die Tatsache, dass man in Berlin vorübergehend mal im Park zwar spazieren, aber nicht allein auf einer Bank sitzen und lesen durfte.

Auch dann wird wohl kein Beweis dafür erbracht sein, dass ein Treffen von drei Freundinnen aus drei Haushalten gefährlicher war als eines von zehn Personen aus zwei Familien mit acht verschiedenen Freundeskreisen. Und möglicherweise können die Ministerpräsidenten der Länder sogar darüber lachen, wer wen in den Herbstferien 2020 nicht beherbergen wollte, als die Risikogebiete noch überschaubar waren.

Wer geliebte Menschen wegen Corona begraben musste, wird vielleicht insgeheim bedauern, dass in Deutschland nicht nach chinesischem Vorbild gehandelt wurde. Wer ganz ohne Schaden davongekommen ist, hätte sich im Nachhinein wohl allenfalls am »schwedischen Modell« orientiert. Studien werden richtige und falsche Entscheidungen ausmachen. Vermutlich wird man feststellen, dass »lehrbuchhafte« Entscheidungen bei der »zweiten Welle« kaum irgendwo getroffen wurden, weil man sie als zu teuer erachtete und hinausschob. Der tatsächliche Preis wird dann feststehen. Hoffentlich war er nicht zu hoch.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift