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Ein Wiedersehen im Prinzenpark

Was Solskjaer an Paris so mag

Mal wieder nach Paris! Ole Gunnar Solskjaer freut sich auf die Reise, was nicht ganz selbstverständlich ist in diesen Tagen, da Corona die französische Hauptstadt tyrannisiert. Nach einer Verfügung von Staatspräsident Macron darf sich zwischen 21 Uhr am Abend und 6 Uhr morgens niemand mehr ohne triftigen Grund auf der Straße aufhalten. Und natürlich auch nicht im Fußballstadion. Paris Saint-Germain gegen Manchester United, das spektakulärste Spiel zur Inauguration der neuen Saison in der Champions League – in der Gruppe H von RB Leipzig – , findet an diesem Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Bei Ole Gunnar Solskjaers letztem Besuch war der Prinzenpark ausverkauft: Vor 18 Monaten war das, im März 2019, als 46 500 Pariser feiern wollten, was niemand ernsthaft bezweifelte – nämlich den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. PSG hatte das Hinspiel in Old Trafford 2:0 gewonnen, ohne größere Gegenwehr von United, das seit ein paar Wochen von Solskjaer trainiert wurde.

Der Norweger hatte den Job in Manchester eher zufällig bekommen, weil nach der Trennung vom streitsüchtig-eitlen José Mourinho gerade kein geeigneter Kandidat auf dem Markt war. Solskjaers Erfahrung als Cheftrainer reduzierte sich auf ein gescheitertes Gastspiel bei Cardiff City und ein Dauerengagement bei seinem Heimatklub Molde FK.

Was für ihn sprach, war seine Vergangenheit. Solskjaer hat United 1999 mit seinem legendären Last-Last-Minute-Tor gegen Bayern München zum Sieg in der Champions League und sich selbst zu ewigem Ruhm geschossen. In Manchester verkaufen die Souvenirhändler noch zwanzig Jahre danach T-Shirts mit Solskjaers sanftem Gesicht auf schwarzem Hintergrund, darunter der weiße Schriftzug: »Baby-faced Assassin«. Weil der Killer mit dem Babygesicht in der Kabine offensichtlich den richtigen Ton traf, gestaltete er seine ersten Wochen als Trainer überraschend erfolgreich. Bis dann dieses Hinspiel im Achtelfinale gegen PSG folgte, in dem United so hoffnungslos unterlegen war, dass es mit der 0:2-Niederlage noch sehr gut bedient war. Als sich die Reisegruppe Manchester auf den Weg zum Rückspiel nach Paris machte, galt es als gesichert, dass spätestens im Sommer ein neuer Trainer rekrutiert werden würde.

Was bei diesem Rückspiel geschah, zählt zu den großen Mysterien des an Mysterien reichen Fußballs. PSG war turmhoch überlegen und ließ United in 90 Minuten nur zweimal in die Nähe des eigenen Tores kommen – woraus allerdings zwei Gegentreffer resultierten. Da aber auch PSG einmal traf, sprach bis weit in die Nachspielzeit so ziemlich alles für ein Weiterkommen der Franzosen. Dann aber versuchte United sich ein weiteres Mal in der Kunst des Angreifens. Diogo Dalots Schuss wäre wohl weit über das Tor geflogen, aber Presnel Kimpembe bekam den Ellenbogen dazwischen. Nach allerlei Hin und Her entschied der Videoschiedsrichter auf Elfmeter. Marcus Rashord drosch den Ball mit viel Wucht und wenig Nerven ins Tor: PSG war raus. Aus dieser Nacht wuchs das Bild des Magiers Ole Gunnar Solskjaer. Denn wer sonst hätte den Geist von 1999 beschwören können?

Viel mehr aber hat er seitdem nicht zustande gebracht. Manchester United trägt immer noch einen großen Namen und ist doch nicht mal mehr attraktiv genug für englische Nachwuchsleute wie Jadon Sancho und Jude Bellingham oder den Norweger Erling Haaland. Alle drei hatten sie Angebote aus Manchester – und zogen Borussia Dortmund vor. In der Premier League gab es vor zwei Wochen ein demütigendes 1:6 gegen Mourinhos Tottenham, am Sonnabend bewahrte ein 4:1-Sieg in Newcastle den glücklosen Solskjaer vor Diskussionen. Der Magier hat seinen Zauber verloren. Kein Wunder, dass er sich auf die Reise nach Paris freut.

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