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Solidarität per E-Book

Bildende Künstler und Autoren aus Dutzenden Ländern helfen Notleidenden in Brasilien und Mosambik

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 5 Min.
Edimara Condé ist Koordinatorin des Projekts in Deutschland stammt aus Brasilien und studierte in ihrer Heimatstadt São Paulo Literaturwissenschaft und Pädagogik sowie in Köln Interkulturelle Kommunikation.Tätig als mehrsprachige Kundenbetreuerin für ein Software-Unternehmen, engagiert sich Edimara Condé freiwillig bei der Caritas Leverkusen sowie für die in Köln aktive politische Gruppe »Brasil em Debate«.
Edimara Condé ist Koordinatorin des Projekts in Deutschland stammt aus Brasilien und studierte in ihrer Heimatstadt São Paulo Literaturwissenschaft und Pädagogik sowie in Köln Interkulturelle Kommunikation.Tätig als mehrsprachige Kundenbetreuerin für ein Software-Unternehmen, engagiert sich Edimara Condé freiwillig bei der Caritas Leverkusen sowie für die in Köln aktive politische Gruppe »Brasil em Debate«.

Frau Condé, wie ist die Idee zu dem internationalen Projekt von Künstlern in der Coronakrise »Tage der Isolation - Kontinente verbindend« entstanden und wie der Kreis um die Initiatorin Maria Vieira?

Die Überlegung war, Künstlerinnen und Künstlern während der Pandemie und des dadurch erzwungenen Rückzugs in die eigenen vier Wände sinnstiftendes Betätigungsfeld anzubieten - und überhaupt Menschen zu aktivieren. Maria Vieira de Souza, eine in Brasilien und international bekannte bildende Künstlerin, Schriftstellerin und Kuratorin, kenne ich seit Jahrzehnten, noch aus unserer gemeinsamen Studienzeit in São Paulo. Damals hatten wir gemeinsam in pädagogischen Projekten an Schulen und Kindergärten gewirkt. Auch als ich vor Jahren nach Deutschland ging, riss das Band nicht ab. Mit Beginn der Coronakrise intensivierten wir unseren Kontakt. Maria trug ihre Idee an befreundete Künstler und sozial engagierte Menschen im In- und Ausland heran, und so nahm das Vorhaben allmählich Gestalt an. Alle Beteiligten in Brasilien, in Afrika und in anderen Weltgegenden haben ehrenamtlich mitgewirkt. Uns alle verbindet der Gedanke der Solidarität.

Was ist am Kunstprojekt selbst besonders, in das Sie viel Zeit und Kraft stecken?

Mich fasziniert die Möglichkeit, bildende Kunst und Literatur zusammenzubringen, um Menschen zu helfen, die durch die Coronakrise besonders schwer betroffen sind. Bei mir ist es wie bei allen daran Beteiligten: Wir spenden gewissermaßen unsere Zeit, unser Know-how und unsere Kreativität. Sowohl jene, die Organisatorisches erledigen, als auch die vielen, die etwas gemalt, eine Skulptur gestaltet oder geschrieben haben. Dass die E-Books wirklich schön geworden sind, die Werke künstlerisch so hochwertig, belohnt uns sehr. Schon den Einband schmückt eine eindrucksvolle Grafik des brasilianischen Künstlers Marcos Andruchak, der für seine Wandmalereien berühmt ist.

Was ist Ihre Aufgabe dabei und wie ist bisher die Resonanz?

Ich bin weder Künstlerin noch Schriftstellerin, aber ich habe Kommunikation studiert und kann mich in mehreren Sprachen nützlich machen. Ich habe Kontakte geknüpft und Künstler, vor allem solche aus Deutschland und der Schweiz, zur Mitarbeit gewonnen. Und viel Schreibkram erledigt. Das nun fertige Projekt spricht sich erst nach und nach herum. Es ist nicht einfach, ohne großen Verlag oder eine Organisation im Rücken die nötige Aufmerksamkeit zu finden. Doch in den letzten Wochen stieg auch in Europa die Resonanz. Das stimmt mich optimistisch.

Warum haben Sie sich für E-Books als Weg der Veröffentlichung entschieden?

Es ist einfach der schnellste und auch der leichter zu realisierende Weg. Andere Varianten wären sehr kostspielig gewesen, und wir hätten das kaum länderübergreifend hinbekommen. So können wir mit dem kleineren Teil der Einnahmen die uns entstehenden Kosten decken und 70 Prozent an Hilfsorganisationen weiterreichen. Dank des Internets lässt sich das E-Book zudem faktisch überall günstig erwerben. Man erhält eine wirkliche Kostbarkeit, von künstlerischem wie auch symbolischem Wert. Und hilft zugleich wirklich Menschen, deren Existenzgrundlage durch die Krise bedroht ist.

In der Anthologie sind Texte in mehreren Sprachen enthalten. Stellt das für mögliche Interessenten nicht eine große Barriere dar?

Für manche ist diese Vielfalt sogar ganz reizvoll. Der Textband enthält überwiegend portugiesischsprachige und einige Arbeiten auf Englisch und Spanisch. Aber auch drei deutsche Texte sind vertreten. Es ist ein Doppelband, wobei sowohl Literatursammlung als auch das E-Book mit den Arbeiten der bildenden Künstler separat erhältlich sind. Die Einleitung und die Erläuterungen sind jeweils auf Portugiesisch und Englisch. Ich bin außerdem überzeugt davon, dass die Kunstwerke bereits für sich den Lesern viel zu erzählen haben. Deshalb machen wir das Projekt nicht nur im portugiesisch- und englischsprachigen Raum, sondern möglichst überall bekannt.

Wie haben Sie die Institutionen ausgewählt, die mit dem Verkauf von »Tage der Isolation« unterstützt werden?

Das war nicht einfach, denn es war früh klar, dass unter der Coronakrise in allen Teilen der Welt viele Menschen zu leiden haben werden. Das trifft natürlich auf Brasilien zu, wo wir mit »O Bem nunca para« eine landesweit tätige NGO auswählten, die sich um Ernährungssicherheit für Familien und besonders Kinder an der Peripherie der Gesellschaft kümmert. Außerdem mit dem Institut Janeraka eine Organisation, die dem am Unterlauf des Rio Xingu im Bundesstaat Pará lebenden indigenen Volk der Awaete Assurina vor Ort hilft. Für Brasiliens Urvölker hatte sich ja die Situation bereits seit Antritt der Bolsonaro-Regierung massiv verschlechtert. Es fehlt an medizinischer Versorgung. Dort, wo sie leben, schreiten der Landraub und die Abholzung immer schneller voran. Besonders verbunden fühlen sich viele an unserem Projekt Beteiligte auch mit Afrika. Aufgrund guter Erfahrungen mit seiner Arbeit haben wir das in Lichinga im Norden Mosambiks tätige christliche Hilfswerk Pastos Verdes mit ins Boot geholt.

Wie ist das Interesse der Medien am Projekt und wie läuft der Absatz der E-Books?

Vor allem nutzen Social Media, zeigen Arbeiten daraus auf Facebook oder Instagram. In Brasilien haben einige Kulturzeitschriften und andere Blätter über unser Projekt berichtet. In Deutschland stecken wir da sozusagen noch in den Kinderschuhen. Wir wünschen uns, dass auch hierzulande mehr Menschen auf »Tage der Isolation« aufmerksam werden und es kaufen oder weiterempfehlen. Es ist ein Angebot, die Krise nicht nur zu bedauern, sondern einen kleinen Beitrag zu leisten, damit denen geholfen werden kann, die die Folgen von Corona und neoliberaler Politik besonders hart treffen. Das geht sogar von der Couch aus. Die Armut in Afrika fällt auf uns hier genauso zurück wie die Vernichtung der Regenwälder im Amazonas. In dieser Welt sind wir alle aufeinander angewiesen.

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