Werbung

Der Hölle von Moria entronnen

Zweite Gruppe des zugesagten Kontingents hat Deutschland erreicht. Keine Zusage an Bündnis Seebrücke

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 3 Min.
Von Athen ging der Flug am Donnerstag nach Hannover.
Von Athen ging der Flug am Donnerstag nach Hannover.

27 unbegleitete beziehungsweise kranke Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern - 17 Familien, insgesamt 104 Menschen, kamen am Donnerstag in Hannover an. Sie landeten mit dem Flugzeug, wie bereits eine Gruppe von 26 Flüchtlingsfamilien aus Griechenland vor einer Woche. Sie sollen in Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen untergebracht werden. Die Minderjährigen, die sich ohne ihre Eltern in Griechenland aufhielten, werden nach Brandenburg, Berlin, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen gebracht.

Die Menschen in den beiden Flugzeugen gehören zu jenem Kontingent von Migranten, deren Aufnahme die Bundesregierung vor einem Monat beschlossen hatte. Nachdem das Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos abgebrannt war, entschied sie, über die bereits zugesagte Zahl von bis zu 150 unbegleiteten Minderjährigen aus Moria hinaus 1553 Personen aufzunehmen. Es handelt sich um Flüchtlinge, die bereits in Griechenland als schutzbedürftig anerkannt wurden. Die SPD hatte zunächst gefordert, weit mehr Menschen aufzunehmen als jene, auf die sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zuvor geeinigt hatten. In der entsprechenden Krisensitzung der Koalitionsspitzen kam dann jedoch die nur wenig erhöhte Zahl heraus. Als Grund wurde genannt, dass Griechenland selbst eine Ausreise von Flüchtlingen verweigere, über deren Schutzstatus noch nicht entschieden ist.

Für die nun in Hannover gelandete Gruppe geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, für die meisten Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern allerdings nicht. Und das, obwohl gerade in Deutschland sich inzwischen 200 Kommunen zur Aufnahme bereit erklärt haben - über die vom Bund zugewiesenen Größenordnungen hinaus. Im Bündnis Seebrücke, das sich vor rund zwei Jahren gründete, erklären sich die Kommunen zu »sicheren Häfen« und stellen zusätzliche Plätze zur Aufnahme von Geflüchteten zur Verfügung. Innenminister Seehofer lehnt eine Zuteilung von Flüchtlingen jenseits der Verteilungsschlüssel auf die Kommunen jedoch unter Hinweis auf die Rechtslage ab und besteht auf der alleinigen Kompetenz des Bundes für diese Entscheidung. Nachdem er Thüringen und Berlin die gewünschte Zuweisung verweigert hatte, wird in beiden Bundesländern eine Klage geprüft. Auch in Bremen, das wie diese beiden Bundesländer rot-rot-grün regiert wird, wird ein Landesaufnahmeprogramm erwogen.

Am Dienstag erst war es zu einem ausführlichen Gespräch zwischen dem Bündnis Seebrücke und der Bundeskanzlerin gekommen. Wie der »Tagesspiegel« berichtete, zeigten sich Teilnehmer aufseiten der Kommunen anschließend erfreut über die Zeit, die Angela Merkel ihnen dabei eingeräumt habe und dass sie ihre Sicht ausführlich hätten schildern können. Ein Entgegenkommen der Kanzlerin war jedoch nicht Ergebnis des Treffens. An der bisherigen, von Seehofer vertretenen Regelung werde offenbar bislang nicht gerüttelt. SPD-Chefin Saskia Esken forderte angesichts des nahenden Winters erneut, wenigstens die 1553 Flüchtlinge rasch aufzunehmen. Mit Agenturen

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln