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Kitas keine Infektionsherde

Nur wenige Coronafälle in Einrichtungen. Gewerkschaft GEW warnt dennoch

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Wunsch, von Kinderhand gemalt, an einer Krefelder Kita im Juni: Monatelang gab es im Frühsommer keinen Regelbetrieb.
Ein Wunsch, von Kinderhand gemalt, an einer Krefelder Kita im Juni: Monatelang gab es im Frühsommer keinen Regelbetrieb.

Die Hygieneregeln des Waldorfkindergartens im hessischen Witzenhausen wurden zuletzt vor zwei Wochen aktualisiert: Eltern, die ihre Kinder morgens bringen und nachmittags abholen, sollen sich in den Räumlichkeiten so kurz wie möglich aufhalten und einen Mundschutz tragen. Schon seit der Wiederaufnahme des regulären Betriebs im Juni wird sehr genau darauf geachtet, dass es keine Ansammlungen im Garderobenbereich gibt.

In den Gruppen dagegen bewegen sich die Kinder frei und müssen nicht die Abstandsregeln einhalten. Der Mundschutz hängt an der Garderobe am Haken, nur für den Fall von akut auftretenden Krankheitsanzeichen bei einem Kind. So empfiehlt es das hessische Sozialministerium. Dann soll das betroffene Kind unverzüglich in einen eigenen Raum gebracht und separat betreut werden.

Dazu kommt es aber in den Kindereinrichtungen bislang nur selten. Kinder unter zehn Jahren sind nämlich bei Weitem nicht so häufig von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen wie Erwachsene, das haben Mediziner mit verschiedenen Studien bereits im Frühsommer belegt, und das geht auch aus einer laufenden Corona-Kitastudie des Robert-Koch-Instituts und des Deutschen Jugendinstituts hervor. Kitas seien keine Infektionsherde, schlussfolgerte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) daher unlängst. Der wiederaufgenommene Regelbetrieb in den Einrichtungen nach den flächendeckenden Schließungen im Frühjahr sei bisher nahezu reibungslos verlaufen.

Die Studie stützt sich unter anderem auf wöchentliche Meldungen von mehr als 12.000 Kindergärten und anderen Tageseinrichtungen. Die Rate der infektionsbedingten Schließungen liegt nach Angaben von Giffey durchgehend bei unter einem Prozent. Seit Beginn des neuen Kitajahres im August seien wöchentlich nur etwa sechs Corona-Ausbrüche in den mehr als 56 000 Einrichtungen registriert worden.

Die Eindämmung des Coronavirus - und der erneute Herbst-Anstieg

Eine Ausnahmesituation herrscht derzeit im Berchtesgadener Land, wo die Infektionszahlen zuletzt in die Höhe geschnellt sind und es seit Dienstag einen regionalen Lockdown gibt. Neben Restaurants und Hotels haben auch Schulen und Kitas geschlossen - zum Ärger des Deutschen Kitaverbands, der auf das geringe Infektionsrisiko bei Kindern hinwies. Folglich sollten auch bei einem regionalen Lockdown Kitas, Horte und Tagespflegestellen geöffnet bleiben. »Kinder dürfen nicht weiterhin dem Aktionismus geopfert werden«, sagte Waltraud Weegmann, Bundesvorsitzende des Zusammenschlusses der freien Kitaträger.

Eigentlich gibt es zwischen Bund und Ländern den Konsens, den Regelbetrieb von Kitas und Schulen auch bei steigenden Infektionszahlen aufrechtzuerhalten. Sowohl Familienministerin Giffey als auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonten zuletzt noch einmal, im Vergleich zum Frühjahr »einen Schritt weiter« zu sein und mehr über das Virus zu wissen, weshalb auf generelle Schließungen verzichtet werden könne. Nun ist aber in Bayern ein erster Landkreis von dieser Linie abgewichen.

Wegen der bundesweit ansteigenden Infektionszahlen sorgt sich die Bildungsgewerkschaft GEW um die Erzieherinnen und Erzieher und dringt auf eine Verbesserung des Infektions- und Arbeitsschutzes. »Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen und davon blenden lassen, dass das Infektionsgeschehen in Kitas laut aktueller Ergebnisse der Corona-Kitastudie niedrig ist«, sagte Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit, und schlägt »Gefährdungsbeurteilungen« für die Kitas vor, deren Empfehlungen dann konsequent umgesetzt werden sollten. Insbesondere jene Betreuungskräfte, die Risikogruppen angehören, müssten besser geschützt werden und sollten nicht mehr direkt für die Arbeit mit den Kindern eingesetzt werden, forderte er.

Offiziell gehören rund vier Prozent der Erzieherinnen und Erzieher zu einer Risikogruppe, die tatsächliche Zahl schätzt Köhler aber weitaus höher ein.

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